Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 151

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Louis Loewe
Date
1926-01-01
Page
Seite 151 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3111067-3111120-3118245--6944-3118431
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

151 Orient an Zahl und Wert beträchtlich vergrößerte. Die Kenntnis der semitischen Sprachen und der Hieroglyphen, nicht minderseine Neigung, alte Handschriften zu erforschen, bestimmte ihn, nach London zu gehen, um dort die Handschristensammlungen, Münzkabinette und archäologischen Museen zu studieren. Mit einer Empfehlung an John George Children, Sekretär der Royal Society, kam er dort im Jahre 1835 an. Ein Jahr später (21. Februar 1836) teilte ihm der Vorstand der Gemeinde Kassel mit, daß man ihm die Stelle eines Rabbiners daselbst übertragen wolle. Er nahm das Anerbieten nicht an, zumal er nun England, das Land vollster Gleichberechtigung für alle Bürger, nicht mehr verlassen wollte. Einen Monat später wurde er dem Herzog von Sussex (Onkel der Königin Viktoria) vorgestellt und gewann sogleich dessen Gunst in solchem Maße, daß er ihm den Hoftitel „Oriental Linguist" verlieh und ihm zeitlebens ein treuer Freund und Gönner blieb. Als der Herzog starb, erhielt Loewe zum Andenken an den Verblichenen zwei herrliche Meißener Lampen und seinen Orden als Großmeister der Freimaurerloge in silberner Hülse. Am Tage der Beisetzung wurde Loewe vom Vorstande der spanisch-portugiesischen Gemeinde mit der Gedächtnisrede auf den großen Toten betraut, die auch im Druck erschien. Der Herzog von Sussex versammelte die Männer der Wissenschaft stets abends nach dem Essen um sich. Auch Loewe wurde regelmäßig zugezogen und machte die Bekanntschaft der bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Zeit: Graf von Münster, Lord Holland, Sir Alexander Johnston, Sir Gore Ouseley und Professor H. H. Wilson, die alle seinen Arbeiten das größte Interesse entgegenbrachten. Eine angesehene Schriftstellerin Emma Roberts führte ihn bei der Herzogin von Blessington ein, die der Begegnung mit Loewe in ihren Memoiren eine ganze Seite widmete.*) Durch sie lernte er den Forscher und Numismatiker vr. R. R. Madden kennen, der ihm wieder die Bekanntschaft von Sir Gardiner Willkinson verschaffte. Durch ihn erhielt er Zutritt zu sämtlichen Privatbibliotheken, *) Siehe: „The Literary Life and Correspondence of th.eCountess of Blessington“ by Dr. R. R. Madden, B. II, p. 328.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.