Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Louis Loewe
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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150 er, um sich in der französischen, spanischen, italienischen Sprache zu vervollkommnen, während er sich gleichzeitig die meisten übrigen europäischen Sprachen aneignete und schon damals sein Augenmerk auf die orientalischen Sprachen richtete. Seine Sprachkenntnisse brachten ihm einerseits ein, was er zum Lebensunterhalt brauchte, andererseits führten sie ihn in Verbindung mit bedeutenden Persönlichkeiten. Es wurde ihm vom Grafen Apponyi die Benutzung der gräflichen Bibliothek gestattet, was für Loewe von entscheidender Bedeutung war, da er dort jene Bücher fand, die ihn über Sprache und Wissenschaften der Semiten informierten. Nach dreijährigem Aufenthalte verließ er Preßburg nach abgelegter Rabbinatsprüfung, reich an Kenntnissen in Talmud, rabbinischem Recht, Bibel- Wissenschaft, Philosophie und sonstigen Fächern, ging nach Wien an die Universität und von da nach Berlin, wo er Schleiermacher, Steffens, Klander und Hengstenberg hörte. Aus dem Wege dahin suchte er seine Heimat Rosenberg auf, wo er über Psalm 111 im Gotteshause unter großem Beifall predigte. Schon nach kurzer Zeit erlangte er in Berlin die Doktorwürde; sein Arbeitsgebiet war Philosophie und Linguistik. Damals drangen seine Freunde in ihn, ein Rabbinat in einer großen Gemeinde zu übernehmen. Ihn drängte es aber mit aller Macht zur Sprachforschung; er gab nicht nach und ging nach Hamburg. Der russische Minister Baron Heinrich von Struwe empfahl ihn an Dr. von Spreewitz, der als Sammler alter Münzen und durch seine reichhaltige Münzsammlung einen Namen hatte. Da die Kataloge seiner Sammlung abhanden gekommen waren, suchte er einen geeigneten Mann und fand ihn in Loewe, der die Aufgabe, das Münzkabinett zu ordnen und zu katalogisieren, übernahm. An Stelle einer Bezahlung erhielt er die Erlaubnis, die vorhandenen Duplikate behalten zu dürfen. Durch diese Arbeit hatte sich Loewe nicht nur große numismatische Kenntnisse angeeignet, sondern auch durch Dshoodsheed, bulgarische, abbasidische und fatimidische Münzen den Grundstock zu einer eigenen Sammlung gelegt, die er später gelegentlich seiner Reisen im