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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 149

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Louis Loewe
Date
1926-01-01
Page
Seite 149 (sequence 2)
Language
German
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149 Talmud zu unterrichten. In jener Zeit war die Pflege der Sprache im Allgemeinen und der deutschen Sprache im Besonderen bei den Juden Schlesiens so im Argen, daß es als Sünde angesehen wurde, die deutsche Sprache korrekt zu sprechen. Elieser kehrte sich nicht an solche Anschauung, sondern erlernte sowohl Deutsch als auch Französisch und suchte christliche Lehrer auf, um Geschichte, Geographie und Naturgeschichte zu lernen. Er war noch nicht 13 Jahre alt, als er seinen Vater verlor. Des Knaben nahm sich ein Onkel, Salomon Cohn, der in Zülz Rabbiner war, an und schickte ihn nach Lissa an die Talmudschule des gefeierten Gelehrten Rabbi Hirsch Fraustadt. Hier hatte er Gelegenheit, sich mit dem Wissensschatze des Talmud vertraut zu machen, was er auch redlich tat. Damit war aber sein Wissensdurst noch nicht befriedigt. In eifrigen! Selbststudium eignete er sich Latein, Griechisch, Mathematik, Geometrie und Geschichte, alle Fächer eines Gymnasiums mit rastlosem Fleiße an, den sein scharfer Verstand und das großartige Gedächtnis glücklich unterstützten. Nach zwei Jahren genügte ihm die Schule von Lissa nicht mehr, und so lenkte er seine Schritte nach Nikolsburg in Mähren, wo der als Talmudgröße ersten Ranges mit Recht berühmte Rabbi Mordechai Benet (Benedikt) lehrte. Er fand die Gunst des Meisters und durfte bei dem Sohne R. Mordechais Naftali Benet, frühmorgens besondere Kurse hören, während er wieder abends im Hause des Rabbi Moses Löb Zülz, der Mitglied des Rabbinates von Nikolsburg war, die früheren und späteren Dezisoren des theologischen Rechtes lernte. War das Tagespensum erledigt, so las er Rabbi Zülz, dessen Augenlicht sehr geschwächt war, Schriften der kabbalistischen Literatur vor, und verschaffte sich aus diese Weise auch auf diesem Gebiete Kenntnisse. Aber auch an diesem Orte wußte er christliche Gelehrte zu finden, die ihm halfen, sich in den europäischen Sprachen zu vertiefen. Von Nikolsburg begab sich Loewe nach Preßburg, an die Talmudhochschule des Rabbi Moses Sofer, der die erste Größe seiner Zeit war und ihm die Rabbinatsautorisation erteilte. Die Zeit dieses Aufenthaltes benutzte

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