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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 145

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Berliner Erinnerungen
Date
1926-01-01
Page
Seite 145 (sequence 34)
Language
German
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145 schule zuzubilligen. Daher mußte sie 1883—1920 nur die Bezeichnung Lehranstalt tragen. Die Hauptsache war aber, daß eine solche Lehranstalt in der preußischen Hauptstadt fest begründet werden konnte. Ihre Vorlesungen wurden nicht blos von den eigentlichen Zöglingen der Anstalt besucht; es fanden sich auch Hörer aus manchen gebildeten Kreisen der Gemeinde dort ein. Insbesondere erfreuten sich die Vorträge des gedankentiefen, feinsinnigen Steinthal über jüdische Religionsphilosophie und Ethik einer zahlreichen Zuhörerschaft. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums bildet den Schlußstein in dem Bau des neuzeitlichen, deutsch-jüdischen Unterrichtswesens, zum mindesten für den Norden unseres Vaterlandes. Sie hat die furchtbaren Nöte des Krieges wie der Jnflationsjahre siegreich überwunden und steht hoffentlich gesichert für Zeit und Zukunft da. Eine der nachhaltigsten Wirkungen aus geistigem Gebiete ging indessen von einer ganz anderen Seite aus. Von keiner Gemeindeverwaltung unterstützt, lediglich auf die eigene Kraft vertrauend, Und von einer wahrhaft leidenschaftlichen Liebe zum Judentum ergriffen, trat Gustav Karpeles mit dem Plan in die Oeffentlichkeit. einen Verein für jüdische Geschichte und Literatur zu begründen. Ihm kam es nicht sowohl daraus an, gelehrte Studien und Forschungen zu fördern, als vielmehr durch Vorträge und sonstige öffentliche Veranstaltungen die Ergebnisse der jüdischen Wissenschaft unter den deutschen Juden zu verbreiten. Seiner rastlosen Arbeitskraft, seinem ungewöhnlichen organisatorischen Geschick, wie nicht minder seinem ausgedehnten literarischen Wissen und seiner flammenden Beredsamkeit gelang es, in verhältnismäßig kurzer Zeit über ganz Deutschland ein Netz derartiger Vereinigungen zu spannen. Eine große Anzahl geeigneter Redner wurde nach und nach in regelmäßigen Abständen bis in kleine und kleinste Gemeinden hinausgesandt, und sie haben dann nicht wenig zur Kräftigung und Hebung des jüdischen Geistes beigetragen. Um jedoch diesen überall hin zerstreuten Vereinen Lebensfähigkeit einzuflößen, schuf Gustav Karpeles noch einen Zentralverband in Berlin, dem die 10

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