Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Berliner Erinnerungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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— 146 geistige Leitung der Einzelverbände, die Beschaffung der geeigneten Redner unterstand. Leider haben der Weltkrieg und dessenfurchtbare Nachwirkungen vieledieseso hoffnungsreichen, rein idealen Zwecken dienenden Einzelvereine vernichtet. Es wäre unseres Dafürhaltens des Schweißes der Edlen wert, die zerrissenen Fäden wieder anzuknüpfen, die von Gustav Karpeles gegründeten Einzelvereine sowie den Verband wieder neu ausleben zu lassen. Jüdischer Opferfreudigkeit ist schon ungleich Schwereres durchzusühren gelungen; wir geben uns daher der Hoffnung hin, daß auch dieser unser Wunsch in Erfüllung gehen möge. Von einem ganz andersartigem Gesichtspunkte aus setzte eine Bewegung innerhalb eines großen Teils der deutschen Judenheit ein, die, anfangs sehr unsicher herumtastend, nach einiger Zeit einen tiefeingreifenden Einfluß, namentlich auf die Heranwachsende Jugend auszuüben berufen sein sollte. Wir meinen den Zionismus. Er hatte hier in Berlin geraume Zeit vor dessen öffentlicher Erscheinung so etwas wie einen Vorläufer im Verein „Esra". Diese Vereinigung hatte es vor allen Dingen darauf abgesehen, den jüdischen Ackerbau in Palästina, der zu jener Zeit — es mochte etwa ein halbes Jahrhundert her sein — fast gänzlich darniederlag, zu fördern. Es bleibt ein Erfolg des „Esra", daß er die Kolonisation Palästinas und den Absatz seiner landwirtschaftlichen Produkte in Deutschland populär gemacht hat — nennenswerte Leistungen konnte er nicht erzielen. Der Zionismus dagegen, bekanntlich kein aus deutschem Boden entstandenes Gewächs, überstand hier jedoch seine gefährlichen Kinderkrankheiten und entwickelte sich zu einem weitverästeten Baum, der mehr und mehr einen großen Teil der deutschen Judenheit überschattete. Es ist hier nicht der geeignete Ort, die Entwicklung der zionistischen Bewegung in Deutschland im Einzelnen zu verfolgen. Soviel aber muß dem Zionismus zu seinem Ruhme hier nachgesagt werden: Er hat Geist und Gemüt in der deutschen Judenheit aufgerüttelt, ihr Selbstbewußtsein mächtig gestärkt. Er hat vor allem dem anwidernden Abfall aus rein gedankenlosen Opportunitätsgründen einen starken Damm