Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Berliner Erinnerungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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133 der Anwesenden soviel als möglich zu steigern. Sobald, nach beendeter Rede, der Schatzmeister seinen Rundgang hielt, wurde ein reicher Spendensegen eingeheimst, in den sich die zündenden Worte Moritz Lazarus verwandelt hatten. Wie märchenhaft weit liegt diese schöne Zeit hinter uns! Die wenigen noch Ueberlebenden gedenken ihrer mit einem aus Freude und Wehmut gemischten Gefühl. Man fragt sich unwillkürlich ob es sich denn ganz und gar nicht ermöglichen ließe, diese Art, die Jahresversammlung des „Hilfsvereins für jüdische Studierende" abzuhalten, wieder neu aufleben zu lassen. Und nun die zweite Geschichte: Es war um die Zeit, als die Stöckersche Hetze ihren Höhepunkt erreicht hatte. Ueberall, in gebildeten wie in ungebildeten Kreisen der Bevölkerung wurde die Rassenfrage mit aller jener Leidenschaftlichkeit erörtert, die stets den Stempel der Unwissenschaftlichkeit an der Stirn trägt. Natürlich drehte es sich damals bei diesen Diskussionen, in Deutschland wenigstens, um die Juden. Von der einen Seite wurde vielfach die Behauptung aufgestellt, daß man wohl kaum von einem einheitlich durchgängigen Judentypus überhaupt reden könne; vielmehr spiegele sich die Landeseigenheit, unter der Juden leben, auch bei ihnen ab. Ein englischer, ein französischer, ja sogar auch ein westdeutscher Jude sehe ganz anders aus wie sein Glaubensgenosse in Polen, Galizien, Litauen und Rußland. Derartige Streitigkeiten wogten, unentschieden natürlich, hin und her. Da verfiel Horwitz auf folgendes Auskunftsmittel: Er gab dem Zeichenlehrer der Gemeinde-Knabenschule, der übrigens kein Jude war, eine Lithographie in die Hand, aus der einige zwanzig Köpfe berühmter jüdischer Gelehrter aus den verschiedensten Ländern Europas, Asiens und Afrikas, und zwar aus dem letzten Jahrtausend unserer Zeitrechnung abgebildet waren. Der Zeichenlehrer sollte sich nun denjenigen Kopf, den er für den ain ausgesprochensten jüdischen halte, herausholen, lediglich den Kopf, aber ohne alle äußerlichen Zutaten der Bedeckung, abzeichnen und ihn alsdann nach der Weise eines alten Jahnbildes behandeln. Diese so hergestellte Zeichnung sollte alsdann an sämtliche