Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Berliner Erinnerungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Stiftung trat tatsächlich sehr bald ins Leben und sie hat jahrzehntelang außerordentlich segensreich gewirkt. „So etwas bringt nur Aron Horwitz fertig!", lautete der Zuruf, der ihm von allen Seiten her entgegen tönte. Die grauenvolle Inflationszeit hat auch das ansehnliche Vermögen der Albert Guttmann-Stiftung völlig verschlungen. Vielleicht tragen diese Zeilen das ihrige dazu bei, sie durch erneute Spenden wieder ins Leben zu rufen! Da wir uns nun einmal im Geiste in die Klubräume der „Gesellschaft der Freunde" versetzt haben, so sei es uns gestattet, auf eine ernste Feier mit einigen Worten zurückzukommen, die alljährlich in dem prächtigen Festsaal abgehalten wurde. Es war die Hauptversammlung des „Hilfsvereins für jüdische Studierende". Bei dieser Gelegenheit fand sich das „ganze jüdische Berlin" zu löblichem Tun zusammen. Keiner von Namen und Rang in Wissenschaft, Literatur, in Handel und Finanz fehlte dabei. Neben dem unsterblichen Kliniker Traube, dem genialen Forscher auf dem Gebiete der Entwicklungsgeschichte und der Zellenlehre, Remak, sah man die jugendlichen heranstrebenden Physiologen Rosenthal, Ludimar Herrmann, die vortrefflichen Aerzte für innere Medizin Joseph Meyer, Senator, den hervorragenden Nervenarzt Mendel, da tauchten die Gestalten Berthold Auerbachs, Moritz Lazarus, Chajim Steinthals und noch mancher anderen in der Gemeinde angesehenen Persönlichkeiten auf. Es bot sich den Augen des Beschauers ein wirklich blendendes Bild dar. Nach Erledigung der üblichen Verwaltungsangelegenheiten, der Verkündigung der Preisträger für die gestellten wissenschaftlichen Aufgaben, ging man zur Tafel. Hier erwartete sich Jedermann das wahre Fest, denn es war mit aller Bestimmtheit vorauszusetzen, daß Moritz Lazarus die Tischrede halten würde. Aller Mienen richteten sich mit größter Spannung auf den Redner. Und noch jedes Mal gelang es diesem Meister des Wortes die Hörer durch geistsprühende Wendungen in dem alljährlich wiederkehrenden Redestoff aufs Neue zu überraschen, die andächtig lauschenden Hörer geradezu zu enthusiasmieren und, worauf es ihm vornehmlich ankam, die Gebefreudigkeit