Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Berliner Erinnerungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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131 Wird gemacht. Dafür werde ich schon sorgen. Und nun schreib' weiter." Ein vollständig bis ins kleinste durchdachter Statuten-Entwurf war binnen kurzer Zeit fertiggestellt. „Und nun nimm hier diesen schönen Bogen Aktenpapier und schreibe mir den Entwurf gut leserlich ab." Nachdem dies geschehen, wurde der Jüngling, der noch immer nicht wußte, was dies alles zu bedeuten haben könnte, mit den freundlich ernsten Trostesworten entlassen: „Siehst du, auf solche Weise wird der Name deines Freundes fortleben für lange Zeit." An demselben Abend noch begab sich Horwitz in das Klubhaus der Gesellschaft der Freunde in der Neuen Friedrichstraße, wo er einige seiner Freunde, ins Whistspiel vertieft, antraf. Als ein Rubber beendet war und eben ein neuer beginnen sollte, bat Horwitz um einige Minuten Gehör. Er sagte: „Sie wissen alle, meine Herren, welche quälenden Sorgen mir die Beschaffung von Mitteln für meine Seminaristen und Präparanden verursacht. Jetzt aber kann ich Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, daß ich zum großen Teil meiner bisherigen Sorgen überhoben bin " Ec zog einen zusammengefalteten Bogen aus seiner Rocktasche und las mit so vernehmlicher Stimme, daß es auch an den Nachbartischen gehört werden konnte, seinen Statuten-Entwurf vor. Als nun einer seiner nächsten Tischgenossen die Frage an ihn richtete: „Und wo ist das Stiftungskapital?" Da griff Horwitz mit feierlichem Ernst wieder in seine Rocktasche, zog ein Lederbeutelchen hervor, öffnete es und legte drei Taler auf den Tisch. Dies sei die ganze Hinterlassenschaft des verstorbenen Präparanden- Zöglings Albert Guttmann, dessen Namen die Stiftung tragen solle. Eine Wolke des Mißmuts schien unter den Angeredeten im ersten Augenblicke aufzusteigen. „Soll das ein Scherz sein, dann ist er übel angebracht," meinte der eine und der andere. „Durchaus nicht," entgegnete Horwitz mit allem Ernst und Nachdruck. Dabei erzählte er umständlich den Hergang und nun wandelte sich die Stimmung unter den Anwesenden in eine alles Erwarten übertreffende Gebefreudigkeit. Die Spendenliste füllte sich mit ansehnlichen Beitragszeichnungen, die Albert Guttmanns»