Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Berliner Erinnerungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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130 bestimmt war. An der Stirnseite des Neubaus war in glänzenden Metallbuchstaben die Inschrift angebracht: „Knabenschule der Jüdischen Gemeinde." Welche Bedeutung Aaron Horwitz für die Ausgestaltung des jüdischen Schulwesens in Berlin erlangt hat, das umständlich darzustellen ist hier nicht der schickliche Platz, dafür ist auch in gründlichen, von berufenen Fachmännern bearbeiteten Sonderschriften hinreichend gesorgt. Wohl aber dürften die hier folgenden zwei Erzählungen aus dem Leben dieses ebenso originellen wie tatkräftigen Schulmannes in hohem Grade kennzeichnend sein: Eines Tages erschien ein Zögling der Präparandenklasse beim Rektor und meldete mit durch Tränen und Schluchzen unterdrückter Stimme den vor wenigen Stunden eingetretenen Tod seines besten Freundes. Dann zog er ein kleines Geldtäschchen hervor und sagte, der Sterbende habe ihm das wenige, das er besitze, übergeben. Er könne es ja selbst ganz wohl gebrauchen. „Wieviel beträgt denn die Erbschaft?" fragte Horwitz. „Das habe ich noch garnicht nachgesehen." „Nun, dann sieh' nach." „Herr Rektor, es sind ganze drei Thaler." „Und was wirst du damit anfangen?" „Das weiß ich auch noch nicht." „Aber ich", entgegnete Horwitz mit einer sogar an ihm ungewöhnlichen Lebhaftigkeit. „Nun setz' dich hin und schreibe, was ich dir sagen werde: „Statuten-Entwurf einer Stiftung für Zöglinge der Lehrerbildungs- und der Präparanden-Anstalt der jüdischen Gemeinde von Berlin." „Diese Stiftung," so fuhr Horwitz weiter fort, „soll den Namen deines verstorbenen Freundes, Albert Guttmann tragen." Unter Tränen lächelnd blickte der Zögling der Präparanden-Anstalt auf den im Konferenz-Zimmer hin und hergehenden Rektor und fragte endlich schüchtern: „Herr Rektor, mit drei Thalern?" „Das verstehst du nicht. Die Albert Guttmann-Stiftung