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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 129

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Berliner Erinnerungen
Date
1926-01-01
Page
Seite 129 (sequence 18)
Language
German
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129 hin sichtbares öffentliches Bauwerk bringen und zweitens glaubte er, daß sich an die dort zu erbauende Synagoge, wie um einen Mittelpunkt, eine jüdische Bevölkerung ansetzen und dadurch die innere Stadt von der sehr starken jüdischen Bevölkerung entlasten würde. Der Gemeindevorstand konnte natürlich auf diesen phantastischen Plan des Königs nicht eingehen und so wurde denn nach vielen mühseligen Unterhandlungen der Bau einer neuen Synagoge in der Oranienburger Straße beschlossen. Ursprünglich sollte es bei einem verhältnismäßig bescheidenen, aber würdigen Gotteshaus sein Bewenden haben. Der mit der Ausführung beauftragte Baurat Knobloch war jedoch nicht bloß ein hervorragender Künstler, er war auch ein äußerst geschickter Diplomat; dieser seiner Gewandtheit gelang es, dem Vorstand schrittweise immer größere Zugeständnisse für den inneren Ausbau abzulocken, bis nach und nach der orientalische Bau entstand, von dem dann später Heinrich von Treitschke in seiner deutschen Geschichte mit einem nur schlecht verhehlten Neide sagt, daß es das größte und prächtigste Gotteshaus in der preußischen Landeshauptstadt sei. Die Vollendung des Baus zog sich dann bis tief in die sechziger Jahre hin. Vorher hatte jedoch die Gemeindeverwaltung nach einer anderen Richtung hin einen Schritt unternommen, der von ungleich bedeutsameren Folgen begleitet sein sollte als es die Ausführung der prunkvollen Synagoge gewesen war. In der Nosenstraße 12, in einem alten, elenden Hause, hatte nämlich Aaron Horwitz eine Privatschule errichtet, die sich, dank der außerordentlichen Geschicklichkeit ihres Leiters, sehr bald zu einer angesehenen Anstalt entwickelt hatte. Sie wurde zuletzt von mehr als 300 Schülern besucht. Die unleidlich gewordenen Zustände drängten zu einer raschen Abhilfe. Horwitz hinreißender Persönlichkeit gelang es, die sich ihm entgegenstellenden ungeheuren Schwierigkeiten siegreich zu überwinden und so erstand gegen Ende der fünfziger Jahre der für die damalige Zeit musterhafte Schulhausbau in der Großen Hamburger Straße, der dann später auch noch die Präparanden- Anstalt und die Lehrerbildungs-Anstalt aufzunehmen 9

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