Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Berliner Erinnerungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 17)
- Language
- German
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128 von ihrer überaus armseligen Umgebung. In der Oranienburger Straße 5 war die gesamte Armen-, Waisenunb Krankenpflege auf das Notdürftigste untergebracht. DaS vielfenstrige, dreistöckige Haus paßte sich in seiner Nüchternheit ebenfalls der armseligen Nachbarschaft an. Und selbst als in den fünfziger Jahren das neue jüdische Krankenhaus in der Auguststraße sertiggestellt war, blieb es dem öffentlichen Anblick entzogen, da es, der erforderlichen Ruhe in den Krankensälen wegen, weit hinein in das Hintergelände verlegt werden mußte, der Verwaltungsbau an der Straße selbst jedoch nichts Auffälliges darbot. Einzig und allein der Friedhof in der Schönhauser Allee zeugte ernsthaft genug von dem Dasein eines großen jüdischen Gemeinwesens in der preußischen Landeshauptstadt. Da sollte nun, ebenfalls um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, ein gewaltiger Schritt nach vorwärts getan werden. Die Gemeindeverwaltung ging allen Ernstes daran, ein zweites, den inzwischen veränderten Bedürfnissen mehr entsprechendes Gotteshaus zu errichten. Es ist hier nicht der Ort, zu den damals geplanten gottesdienstlichen Veränderungen in dem neu zu errichtenden Gotteshause Stellung zu nehmen, es soll vielmehr nur einiges auf die Vorgeschichte des Baues Bezügliche erwähnt werden. Die Angelegenheit hatte nämlich auch das Interesse der Staatsbehörden erregt und Friedrich Wilhelm IV. hatte sich zur unentgeltlichen Hergabe eines ansehnlichen Baugeländes bereit erklärt. Aber wo? Nach der Absicht des Königs sollte sich in der damals in den ersten Anfängen einer Entwicklung befindlichen neuen Luisenstadt am Engelbecken auf einem geräumigen Platze, frei nach allen Richtungen hin, also genau da, wo jetzt die schöne Michaelkirche steht, die neue Synagoge erheben. In den jüdischen Verwaltungskreisen und mehr noch unter der jüdischen Bevölkerung war man geneigt, dieses Anerbieten als eine Art von Spott aufzufassen, dessen man sich von dem Naturell des Königs wohl versehen konnte. Dies war indessen durchaus nicht der Fall. Der König hat es damit ganz ernsthaft gemeint. Er wollte auf diese Weise zwei Zwecke zu gleicher Zeit erfüllen: erstens in die noch kaum bebaute Gegend ein weit-