Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Berliner Erinnerungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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127 der Jahrzehnte in das wahrhaft Ungeheuerliche ausdehnte, hat er bis an sein Lebensende fortgesetzt, und auf diese Weise ein Urkundenmaterial zusammengebracht, wie seinesgleichen kaum irgendwo zu finden sein dürfte. Das unschätzbare Material ist dann später in den Besitz der Berliner Jüdischen Gemeindebibliothek übergegangen, für deren Begründung er sich ebenfalls mit seiner starken Persönlichkeit eingesetzt hatte. Es darf auch nicht unerwähnt bleiben, daß Salomon Reumann zu den Mitbegründern der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums gehörte. Seine Interessen blieben indessen keineswegs auf das rein jüdische Gebiet beschränkt. Er war als Stadtverordneter an der Verwaltung des Berliner Gemeinwesens, namentlich in allen Fragen der Armen- und der öffentlichen Gesundheitspflege, eifrig und erfolgreich tätig. War er doch einer der ersten Vorkämpfer für die Verwirklichung des Gedankens, daß die Medizin im eigentlichsten Wortstnne eine soziale Wissenschaft sei. Er hat diese seine, man kann sagen bahnbrechende Ansicht in einer Flugschrift näher begründet, die einen großen und tiefgehenden Einfluß sogar auf die Bürokratie des preußischen Unterrichtsministeriums ausgeübt hat. In diesem Sinne wirkte er auch auf den ihm engbefreundeten Rudolf Virchow ein, und er hat es selbst als die größte Tat in seinem Leben gepriesen, daß er diesem unsterblichen Forscher und Hygieniker einen Sitz in der Berliner Stadtverordnetenversammlung verschafft hatte. So behauptet Salomon Reumann einen gleich ehrenvollen Platz in der Verwaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde wie der Reichshauptstadt. Mit Kleinigkeiten hat sich Salomon Reumann niemals abgegeben, zum Großen ging sein Zug. * * * Im Stadtbilde Berlins trat die jüdische Gemeinde als solche nirgends in die Erscheinung. Das einzige Gotteshaus, über das sie verfügte, stand, wie noch heute, in der Heidereutergasse auf einem mäßig ausgedehnten Hintergelände. Die sonstigen, teils rituellen, teils Verwaltungszwecken dienenden Baulichkeiten unterschieden sich in nichts