Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Berliner Erinnerungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 8)
- Language
- German
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119 Stile zu errichten. Diesen ihren Schöpfungen blieb fortan ihr Leben geweiht. Sie nannten sie nie anders als ihre „Adoptivkinder". Schon in den frühen Morgenstunden begaben sie sich aus ihrer Wohnung in der Tiergartenstraße nach der Oranienburgerstraße und der Schönhauser Allee, um dort die häuslichen Angelegenheiten zu besorgen. Frau Bertha Manheimer überwachte die Küche, prüfte die Zubereitung der Speisen, leitete die Verteilung und verließ nicht eher das Haus, als bis sie die Pfleglinge zufriedengestellt wußte. Der Gatte dagegen hatte mit der Sorge um die Instandhaltung des weitschichtigen Baus, mit der Vertretung der Interessen der einzelnen Insassen, mit der Regelung der Beziehungen der Anstalt zu den staatlichen und städtischen Behörden vollauf zu tun. Mit einer unerschöpflichen Geduld und nie nachlassender Freundlichkeit nahm er die vielfachen, meist kleinlichen Anliegen und Beschwerden entgegen und schlichtete die Streitigkeiten unter den Hausgenossen. Er pflegte scherzhaft von ihnen als von der Würze zu sprechen, die ihm durch das Leben in dem Altersversorgungsheim zuteil werde. Moritz Manheimer hatte aber auch einen stark ausgesprochenen Sinn für geistige Interessen; er suchte sie durch eine Stiftung für die Lösung von wissenschaftlichen Aufgaben zu fördern, für die er nicht unerhebliche Preise aussetzte. Er sowohl wie seine Gattin glänzten durch ihre Anspruchslosigkeit. Sie schafften sogar zuletzt ihre Privatfuhrwerke ab, um die Erträge aus ihrem Vermögen möglichst vollständig für ihre Wohltätigkeit aufwenden zu können. So lebte dieses Ehepaar in ungetrübter Harmonie, einzig glücklich in ihrem echt menschlichen Bestreben, nach Möglichkeit wohl zu tun, wo Hilfe erforderlich war. Das Andenken an Moritz und Bertha Manheimer wird in unserer Gemeinde stets in hohen Ehren erhalten bleiben. Unter den besten Namen der damaligen Gemeinde ist eine Reihe von bedeutenden Aerzten zu nennen. Zu den angesehensten jüdischen Aerzten gehörte der Geh. San. Rat Herz berg. Nach Vollendung seiner Studien ander Berliner