Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Berliner Erinnerungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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116 Mitglieder der Meyerschen Familie besetzen ließ, lachten diese über den gelungenen Scherz und das Publikum lachte mit. Ein Zweig der Familie änderte jedoch den ursprünglichen Namen und hieß fortan Magnus (der berühmte Physiker Gustav Magnus und sein nicht minder berühmter Bruder, der Porträtmaler Eduard, stammten gleichfalls von dieser Familie ab). Kein Mitglied dieser weitverzweigten Familie hat indessen so tiefe Spuren seines Wirkens in der Gemeinde hinterlassen als der Stadtrat Meyer Magnus, und man behauptet nicht zu viel, wenn man geradezu von einer „Aera Magnus" innerhalb der jüdischen Gemeinde Berlins spricht. Daß seine Amtszeit mit der gewaltig einsetzenden Entwicklung Berlins zufammenfiel, war ein Glückszufall; wie aber Meyer Magnus diesem Umstand Rechnung zu tragen wußte, wie er es verstanden hatte, das engbrüstige, vielfach veraltete Verwaltungswesen in freiere Bahnen hinüberzuleiten, das war und bleibt sein persönliches Verdienst. Er war bei all seiner Anspruchslosigkeit, ja sogar bei einer gewissen vorsichtigen Zurückhaltung, ein Mann von großer Entschlußkraft und er scheute fich nicht, wo es Not tat, mit aller erforderlichen Entschiedenheit durchzugreifen. War er von der Zweckmäßigkeit einer geplanten Maßnahme überzeugt, so ließ er sich von keinem Widerstande abschrecken, bis er seinen Willen durchgesetzt hatte. Seine Gegner warfen ihm vielfach Herrschsucht vor; allein er war von dieser Charaktereigenheit weit entfernt. Es kam ihm nicht sowohl auf die Befriedigung eines kleinlichen Ehrgeizes als vielmehr auf die Erhöhung der inneren Würde und des äußeren Ansehens der seiner Leitung anvertrauten Gemeinde an. Die in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit so überraschend angewachsene Berliner jüdische Gemeinde sollte auch die vorbildlich verwaltete unter den deutschen Schwestergemeinden sein. Um dieses Ziel zu erreichen, um ihm seine ganze Kraft widmen zu können, hatte er im vollrüstigen Mannesalter seine gesamte geschäftliche Tätigkeit ausgegeben und widmete sich fortan lediglich den Interessen der Allgemeinheit. Unterstützt wurde er bei der Durchführung seiner Bemühungen um die Fortentwicklung der jüdischen