Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Mark Antokolski
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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109 meinen Werken Gesundheit, Munterkeit und spätere Anerkennung, wenn sie jetzt ihnen versagt bleibt, — eine Zukunft. Mich kann man schmähen, mein Herz kann man verwunden, nur meine Kinder lasse ich nicht angreifen." Die bestellten Werke sind in seinen Augen nur Stiefkinder des Künstlers. Die Folge dieser idealen Auffassung seines Berufes war, daß Antokolski mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, daß er 1901 sogar seine Sammlung, die ihm ans Herz gewachsen war. verkaufen mußte. Was half es ihm, daß unter regster Beteiligung der Kunstkreise und des Publikums 1897 sein 25jähriges Künstler-Jubiläum in Petersburg gefeiert wurde, daß der Kaiser ihm aus diesem Anlaß den Rang eines wirklichen Staatsrates verlieh, wenn er dabei Not leiden mußte! Niedergeschlagen schreibt er kurz vor seinem Tode an Stassof, er sehe ein, daß er für seine Zeit nicht passe. Er hat für seine Unabhängigkeit als Künstler die höchsten Opfer gebracht. Er ist einer der bedeutendsten Prototype jener Geisteswie Charakterhelden, die sich im Namen der Liebe zu allem Schönen und Guten allen Widerständen zum Trotz mit Mühe einen Pfad gebahnt haben. So ist er zugleich ein Wahrzeichen seines leidenden Volkes geworden. Und mit Stassof darf man von ihm sagen: „Das jüdische Volk kann mit dem ganzen Europa auf solch einen Künstler und solche Werke stolz sein." 1902 suchte Antokolski das Bad Homburg vor der Höhe auf. Er war voller Hoffnungen und Pläne. Anfang Juli äußerte er zu einem Freunde: „Laß mich nur erst gesund werden, dann wirst Du sehen, was ich noch schaffen kann. Mein Kopf wimmelt von Sujets. Zur Unzeit bin ich erkrankt. Mich quält der Gedanke, daß mir im Atelier soviel unvollendete Arbeit steht." In der Tat war sein Atelier mit begonnenen Arbeiten vollgestopft. Er konnte es nicht fassen, daß sein Leiden mächtiger sein könne, als sein seelisches Feuer, sein Körper schwächer und älter als sein junger, rüstiger Geist. Nach schweren Leiden, fern der Heimat und fern den Freunden, starb Antokolski am 9. Juni 1903 im 61. Lebensjahre. Seine irdische Hülle wurde nach Petersburg gebracht,