Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Mark Antokolski
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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108 der sich dann bei jeder Verfolgung leichter anderswo ansiedeln kann." Ec selbst hat zur Förderung der Kunst unter den Juden beigetragen. Als er in einem jüdischen Knaben seiner Vaterstadt Wilna, in Elias Günzburg, künstlerische Anlagen entdeckte, setzte er es gegen den erbitterten Widerstand der Mutter, die ihr Kind zum jüdischen Gelehrten bestimmt hatte, durch, daß er in Petersburg die Akademie besuchte, die Günzburg später zu ihren Lehrern zählen sollte. In seinen Arbeiten offenbart Antokolski unbewußt die jüdische Volksnatur, beeinflußt durch die jüdischeLeidensgeschichte. So ist es bezeichnend, daß er in seinen Werken mit Vorliebe gerade die Idee des geistigen Martyriums jeder Art darstellt. Daneben hat die Todesidee, für seine Gemütsrichtung so nahe liegend, ihn stark angezogen. Sein Hochrelief-Medaillon zur Erinnerung an seinen eigenen frühverstorbenen Knaben, das Porträt des todkranken jungen Barons Mark Günzburg, das, wie auch andere Werke Antokolskis, mit seinem hebräischen Namenszuge versehen ist, ferner das prächtige Denkmal der Fürstin Obolenski in Rom und andere Leistungen tragen dieses Gepräge. Mitunter trafen auch beide Faktoren zusanimen, wie bei seinem „sterbenden Sokrates" und „Spinozas letzten Augenblicken." Antokolski hat einmal den Gedanken ausgesprochen, er wolle als Künstler Kosmopolit sein, wie er es von jedem Künstler verlange. Er selbst hat ja gezeigt, wie man alsKünstler aus rein menschlichemEmpfinden heraus frei und ungebunden zu schaffen vermag, ohne darum seiner Treue gegen des angestammte Volkstum etwas zu vergeben, ja, ohne sich eines, wenn auch nur unbewußten Einflusses von dieser Seite erwehren zu können. Daß er aber schon durch die Wahl vieler seiner Gegenstände, sowie durch ausdrückliches öffentliches Bekenntnis vor aller Welt — und dies in Rußland! — sein Judentum betonte, dadurch hat er sich einen Ehrenplatz in der jüdischen Geschichte gesichert. Bestellungen auf Porträts waren ihm eine Qual, nur ein Mel, notwendig, um den Unterhalt zu bestreiten. Er liebte seine Werke als seine Kinder. „Wie ein Vater seinen Kindern." so äußert er sich einmal, „wünsche ich