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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 104

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Mark Antokolski
Date
1926-01-01
Page
Seite 104 (sequence 14)
Language
German
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IRI
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104 — mißhandelt zu werden, jeden Tag Amboß zu sein für den Hammer der Unwissenheit, Ungerechtigkeit und brutalen Gewalt, das ertragen meine Nerven nicht". Stassof forderte ihn einmal auf, doch auch in Petersburg eine Ausstellung seiner Werke zu veranstalten. Er lehnte es ab. „Ich weiß", schreibt er „ich habe gesündigt. Gott begnadigte mich mit einem Talent. Aber die Hauptsache, er schuf mich als Juden, und diese Sünde wird jetzt von keinem vergeben. Ich betrachte mein persönliches Mißgeschick als das der Juden im allgemeinen". Aber nichts war in seinen Augen verächtlicher, als der Verrat, die Taufe. Die Frage: „Sind Sie denn noch immer Jude?" konnte ihn außer sich bringen. Auf der großen Disputation in Tortosa unter dem Vorsitze Benedikts XIII. (1413—1414) beschwerten sich die Vertreter der Juden über das anmaßende, rechtswidrige Benehmen ihres Gegners, eines getauften Juden, und der Papst erwiderte hierauf höhnisch: „Das haftet ihm noch von seinem früheren Glauben an." Das ist ja auch wohl das Ärgste, was uns von den Überläufern widerfährt, daß man trotz ihres Verrates und ihrer feindseligen Gesinnung gegen uns in ihnen noch immer die Juden sieht und von ihrer Charakterlosigkeit auf den Charakter der Juden im allgemeinen Schlüsse zieht. Um so höher stehen jüdische Charakter- Märtyrer, die, wie Antokolski, es unternehmen, als das Gegenspiel des jüdischen Täustings die Tragödie der jüdischen Treue der Welt vorzuleben, die alle Lockungen des Verrates standhaft zurückweist. Auch in dieser seiner Treue gegen das Judentum liegt eine Wurzel der Heimatsliebe Antokolskis. „Das Ziel meines Lebens," so schreibt er, „ist Rußland, gerade darum, weil ich ein Jude bin und ich mich glücklich fühlen würde, wenn es mir durch mein Verhalten als Jude gelänge, ein wenig die schmutzigen Verleumdungen gegen die Juden zu entkräften, von denen Rußland widerhallt. Trotzdem schließe ich mich ihnen innig an. Ich bin kein Fanatiker, der die Juden im landläufigen Sinne als auserwähltes Volk betrachtet. Ich bin nicht blind gegen ihre Fehler. Von ganzem Herzen verachte ich Wucherer, Nichtstuer und Geizhälse, gleichviel ob es Juden oder

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