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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 102

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Mark Antokolski
Date
1926-01-01
Page
Seite 102 (sequence 12)
Language
German
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102 der Presse des Auslandes, die ihn in den Himmel hob, beobachtete die russische, die offiziöse wenigstens, eisiges Schweigen. Er klagt einem Freunde bei einem Besuche in Petersburg sein Leid: „Kaum komme ich hier an, so beginnen schon die Anklagen gegen mich und die Verfolgungen. Mehrmals habe ich hier meine Arbeiten ausgestellt/ daraus viel Anstrengung und viel Geld verwandt. Doch jedesmal gaben sich die „guten Patrioten" von heut die größte Mühe, mich hinauszubeißen, so daß ich krank und elend wieder Petersburg verließ". Einst traf Antokolski in Biarritz den Redakteur der bekanntesten Petersburger Zeitung, der Nowoje Wremja. „Wie freue ich mich, Sie zu sehen", rief ihm der Journalist von weitem entgegen, „Sie sind hier, unser Stolz, unser Ruhm?" „Sie halten mich für den Ruhm Rußlands", erwiderte Antokolski, „wie stimmt das mit dem überein, was Ihre Zeitung über mich schreibt? Sie beschimpft mich ja, wo sie nur kann". „Was tun?", war die Antwort des geschmeidigen Diplomaten. „Das ist schon so unsere Gewohnheit. Wir Russen müssen alles herunterzerren und beschimpfen, und nicht Sie allein, auch Puschkin und Gogol haben wir seinerzeit beschimpft." Zu bemerken ist, daß dieselbe Nowoje Wremja nach dem Tode Antokolskis in einem ihrer beliebten Schmähartikel über die Juden sich großmütig den Satz leistete: „Ja, wennbeiunseinJude, wieAntokolski,auftritt,so erkennen selbst w irihn an und zollen ihm unsere Verehrung". Trotz alledem verzehrte sich Antokolski in seiner so wenig erwiderten Zärtlichkeit für seine russische Heimat. Diese Anhänglichkeit eines russischen Juden an die vaterländische Scholle tritt auch rührend zutage in dem bedeutendsten Landschaftsmaler Rußlands, dem Juden Jsak Lewitan, an dessen Grabe die Spitzen der Behörden und des Adels seine „echt russische" Kunst feierten, und von dem die Pariser Kritik erklärt hatte, daß nirgends so wie in seinen Landschaften das „russisch-slavische Genie" sich offenbare. Im Jahre 189 l ist in Petersburg ein Buch gedruckt worden, das einen besonders wertvollen Beitrag zur russischen Judenfrage liefert. Den Inhalt des Buches bilden

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