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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 100

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Mark Antokolski
Date
1926-01-01
Page
Seite 100 (sequence 10)
Language
German
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- 100 - In Rußland, das er als sein Vaterland mit hingebender Treue liebte, schuf er noch den „Tod des Sokrates" (1876), „Der letzte Seufzer" (1877), „Das Haupt Johannes des Täufers" (1878). Später kam er in seine Heimat nur dann und wann auf kurze Zeit geschäftlich oder, um in den Orenburger Steppen die Stutenmilchkur zu gebrauchen. In Italien mit seinem herrlichen Himmel und seiner unvergleichbaren Kunst ging ihm ein neues Leben auf. Dort entstanden „Peter der Große" (1872) und die Entwürfe zu „Dmitri Donskoi", „Jaroslav der Weise", „Iwan III." Von Rom abgesehen, das ihm mißfiel, dessen Klima ihm auch wohl weniger zusagte, war diese italienische Zeit die glücklichste Periode seines Lebens. Stets träumte er später davon, nach Italien zurückzukehren. Doch die Pariser Weltausstellung von 1878 hatte seinem Leben eine andere Richtung gegeben. Sein „Iwan der Grausame", sein „Christus" (1874), in dem er eigentlich des Propheten Jesaia leidvolles Schicksal hatte ausdrücken wollen, und viele andere seiner Meisterwerke hatten auf der Ausstellung großen Erfolg geerntet. Er erhiehlt die Ehrenmedaille erster Klasse und das Ritterkreuz der Ehrenlegion. Paris hatte ihn als den hervorragendsten Bildhauer anerkannt. Nun war er eine Weltberühmtheit. Er blieb in Paris, wenn auch die Unrast der Weltstadt gar nicht nach seinem Herzen war. Auch die französische Kunst fand in seiner philosophischen, zur Romantik neigenden Seele keinen rechten Wiederhall. Obgleich ihm das Klima gut bekam, fühlte er sich doch nicht wohl. Er schreibt einmal an einen Freund hierüber: „In Paris kann man alles finden, aber hier dominiert die Form, Form ohne Inhalt, und am wenigsten findet man Herzenseinsalt". Und ein andermal: „In Paris bin ich fremd, ich habe einige Freunde (vielleicht auch keine) und viele Feinde, die mir übel mitspielen, wo sie nur können". Zu einer Zeit, da gerade in Paris eine überaus glänzende Ausstellung von dreiundzwanzig seiner Werke stattfand, als er von der gesamten Pariser Presse in den höchsten Tönen gefeiert wurde, klagt er einem Freunde in einem Briese: „Ich wohnte mitten in einem brausenden Wasserfall wie ein Einsiedler, ich ging nirgends hin, sah

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