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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 99

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Mark Antokolski
Date
1926-01-01
Page
Seite 99 (sequence 9)
Language
German
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— 99 — zu lassen. Denn sie fürchteten, der Kaiser könnte ahnen, wie engherzig sie den jungen Künstler behandelt hatten. Antokolski lehnte ab. Angeblich, weil er sein Modell nicht gefährden wollte. Auf der schmalen Treppe könnte es beschädigt werden. Aber auch sein Künstlerstolz bäumte sich auf. Sollte doch der Kaiser sehen, daß Großes auch im Niedrigen wachsen könne. So wurde denn die Treppe hastig mit echten Teppichen belegt und mit exotischen Pflanzen geschmückt. Der Kaiser fühlte sich zwar auf diesen labyrinthischen Wegen, deren Ausgang man nicht recht sah, unbehaglich. Aber als er in die Mansarde des Künstlers trat, riß ihn das Werk in den Bann. Er reichte dem Künstler die Hand, lobte ihn und dankte ihm." Was sich irgend zur Gesellschaft zählte, besuchte nun Antokolski in seinem Bodenkämmerchen. Es gehörte zum guten Ton, nach dem Augenschein reden zu können von Arbeiten des Künstlers, dessen Werk der Kaiser laut als „gut, sehr gut" gepriesen hatte. Wie aber Antokolski selbst in seinen autobiographischen Aufzeichnungen betont, mag der halbmythische Charakter seines „Iwan" dem russischen Empfinden mehr entsprochen haben, als etwa sein glänzender „PeterderGroße". Stassos verkündeteAntokolskis Ruhm in allen Tonarten, Turgenjew stimmte kräftig ein und wurde Antokolskis Freund. Antokolski, der damals Neunundzwanzigjährige, war eine russische Berühmtheit geworden. Sein leidender Gesundheitszustand zwang ihn aber, das nordische Klima zu verlassen. Er ging (1872) nach Italien, nachdem er vorher die passendste Reisegefährtin in einer seiner würdigen Gattin gefunden hatte. Es war Helene Apatoff, die als Schönheit berühmte Tochter eines angesehenen Wilnaer Kaufmanns, eine Enkelin des Rabbiners Mordechai von Radin. Seit jener Zeit hat Antokolski die meisten Jahre seines Lebens im Auslande verlebt, acht Jahre in Rom, wo er Mitglied der Akademie von Ürbino wurde, über zwanzig Jahre in Paris. Dort Verlobte sich seine Tochter Lonja mit George Montefiore, einem Großneffen des bekannten Philanthropen.

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