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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 97

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Mark Antokolski
Date
1926-01-01
Page
Seite 97 (sequence 7)
Language
German
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97 JmJahre1549 waren nämlich zuJwandemGrausamen Gesandte des Königs Sigismund August von Polen mit dem Gesuche gekommen, er möge den litauischen Juden in seinem Reiche Handelsfreiheit gewähren. Jman wies sie ab mit der Antwort: „Diese Menschen" — die Juden— „brächten in unser Land Verderben für Leib und Seele, sie verkaufen Gifte, lästern den Heiland, ich will nichts von ihnen hören". Vierzehn Jahre später führte Iwan mit Sigismund II. von Polen Krieg. Er eroberte die Stadt Plozk und sein Erstes war, daß er die dortigen Juden und ihr Hausgesinde in den Fluten der Dwina ertränken ließ. Ein litauischer Jude, Antokolski, war es nun, der nach drei Jahrhunderten die Gestalt jenes Ungetüms von den Toten heraufbeschwor und für sein bestialisches Wüten eine psychologische Erklärung, einen entschuldigenden Zug in sein Antlitz setzte. Die bösen Geister, die den Despoten beherrschten, sieht man in seinen verzerrten Mienen ihr Spiel treiben. Aber auch etwas wie Mitleid zieht durch unsere Seele. Für den Sommer 1871 hatte sich der Künstler die Erlaubnis erwirkt, im Skulpturensaal der Petersburger Akademie an dem Koloß seines „Iwan" zu arbeiten. Im Winter wurde ihm die Vollendung des Werkes nur in einem Bodenräume gestattet. Er mußte der Statue die Arme abschlagen, um sie in das Bodenloch hineinschaffen zu können. Die angestrengte Arbeit brach seine Gesundheit. Ein Lungenbluten zwang ihn aufs Krankenlager. Da meldet ihm eines Nachts der Diener, ein großes Stück des Tonblockes habe sich losgelöst. Vom Fieber geschüttelt, springt er vom Lager auf, um sein Werk zu retten. Doch ihm selbst hätte es fast das Leben gekostet. In seiner Not entschloß er sich, an den Vizepräsidenten der Akademie Ga garin zu schreiben und ihn zur Besichtigung seiner Arbeit einzuladen. Gagarin folgt der Einladung, klettert die endlosen Treppen bis zum Boden empor. Außer sich vor Bewunderung, veranlaßt er die Großfürstin Maria Nikolajewna, diedann, wie erwähnt, die „Inquisition" angekauft hat, gleichfalls zu Antokolski sich hinauf zu bemühen, und voller Begeisterung bewog diese ihren Bruder, den 7

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