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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 96

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Mark Antokolski
Date
1926-01-01
Page
Seite 96 (sequence 6)
Language
German
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96 Dieses Werk, das originellste Antokolskis, hatte er daheim in Wilna gelassen, wo er seine Ferien bei den Seinen zuzubringen Pflegte. Er fand es später praktischen Zwecken dienstbar gemacht; seine Angehörigen hatten seine „Inquisition" in einen — Hühnerstall umgewandelt. Noch sein letzter Plan, den auszuführen der Tod ihn verhindert hat, war die Ausgestaltung dieses seines Lieblingswerkes. Er hatte nämlich der Großfürstin Maria Nikolajewna, die von diesem Werke entzückt war, versprechen müssen, für sie das Werk in großem Maßstab aus Terrakotta auszuführen. Es war ihm nicht beschieden. Lehrer und Mitschüler an der Akademie erkannten Antokolskis Originalität. Die Schulleitung bekämpfte aber, sogar durch Vermittlung des Inspektors, seinen „Eigensinn", wie man es nannte. Man wählte ihn nicht zum Mitglied der Akademie, sondern bot ihm den ungewöhnlichen Titel eines Ehrenbürgers an. Er lehnte ihn ab. Mit diesen Zuständen unzufrieden, wollte Antokolski in der Fremde sein Glück versuchen. 1868 wandte er sich nach Berlin, konnte aber dort in der Stadt, die ihn später zu den Mitgliedern ihrer Akademie zählte, trotz aller Empfehlungen nicht einmal bei einem Anstreicher eine Anstellung erhalten. So kehrte er denn nach Petersburg zurück. Unter dem anregenden Einfluß eines geistig hochstehenden Freundeskreises vervollkommnete er seine Bildung, die bis dahin lückenhaft geblieben war. Die russische Sprache hat er nie ganz korrekt gesprochen noch geschrieben. Dabei war er einer der geistreichsten, glänzendstenrussischenSchriftsteller. Auch einen Judenroman „Ben Jehuda" hat er uns geschenkt, und Stassosf meint mit Recht: „Wäre Antokolski nicht der große Bildhauer, er wäre als bedeutender Schriftsteller berühmt geworden". 1871 vollendete Antokolski sein gewaltigstes Werk, „Iwan der Schreckliche", in dem er, wie in seinem „Peter der Große", die Gewalt des brutalen unbeschränktenWillens zurAnschauung brachte. Doch betonte er auch das rein Menschliche. Er gibt seine Iwan als den großen Marterer, aber auch zugleich Märtyrer auf dem Throne. Es war eine edle, echt jüdische Rache, die Antokolski in dieser Arbeit übte.

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