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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 93

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Mark Antokolski
Date
1926-01-01
Page
Seite 93 (sequence 3)
Language
German
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93 War unbeschreiblich. Man begreift ihn, wenn man bedenkt, daß er seinen ganzen Unterhalt mit einem monatlichen Stipendium von zehn Rubeln bestreiten mußte, einer Spende des Barons Günzburg, den er, aus Mangel an geeigneten Instrumenten, mit einem Nagel auf einem Stückchen Elfenbein meisterhaft portraitiert hatte. 1865 schuf er aus Elfenbein seine Statuette „Geizhals, sein Geld zählend", deren Motiv ebenfalls dem jüdischen Leben entnommen war. Sie trug ihm ein kaiserliches Stipendium von monatlich 29 Rubeln ein. Sogleich verzichtete er, hierin ein Gesinnungsgenosse Spinozas, den er später schwärmerisch verehrte und in einem seiner berühmtesten Werke dargestellt hat, auf das Günzburgsche Stipendium; es sollte einem Bedürftigeren zugute kommen. Zu diesem Kreise jüdischer Gegenstände — er schuf daneben auch anderes, wie 1867 einen „Judas-Kuß" — gehört auch eine Höckerin, die an ihrem Korbe eingeschlafen ist und so von Straßenbuben um Apfel bestohlen wird, ferner „Streit über eine schwierige Talmudstelle" und sein originellstes Werk, die „Inquisition". Nicht nur darum sind alle diese Werke höchst beachtenswert, weil in ihnen zum erstenmal überhaupt Szenen aus dem jüdischen Leben Plastisch dargestellt wurden, sondern auch deshalb, weil Antokolski hier ein ganz neues Wort in der Skulptur gesprochen hat. Eines der schwersten Probleme sucht er darin zu lösen, nämlich der Skulptur Rechte und Möglichkeiten zu erobern, die bis dahin die Malerei allein besessen hatte. Die Staffage, die er den Figuren gibt, ist niemals allegoristisch, sondern realistisch; ein Stuhl, ein Tisch, allerlei Gerätschaft. Übrigens ist Antokolski durchaus nicht das, was man einen Realisten nennt. Aus den Ausdruck der Idee vor allem kommt es ihm an. Das Körperliche verkümmert darüber mitunter, wie zum Beispiel bei seinem „Spinoza", der besonders in der Seitenansicht befremdend magerund körperlos aussieht. Umsomehr fesselt der Ausdruck in der Haltung des Körpers und vor allem im Antlitz. In den mit eigenartiger Technik behandelten Augen seines „Mephisto" z. B. wirkt der Ausdruck von Hohn und Spott, Haß und Verachtung förmlich faszinierend. Antokolski stellt ihn nicht als gefallenen Engel

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