Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 92

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Mark Antokolski
Date
1926-01-01
Page
Seite 92 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3111067-3111120-3118243--6883-3118372
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

92 Akademie zu kommen. Nur ein Mensch brachte ihm Verständnis entgegen. Ein im übrigen ungebildeter und dem Wutki nicht abholder Feldmesser sah zufällig einige Genieproben des kleinen Mark und wurde seitdem nicht müde, dem verängsteten Bürschchen aus das Genie, das in ihm lebe, Hymnen vorzusingen und seinen Stolz und Eifer anzustacheln. „Du bist ein Künstler," sagteer einst, und diese Worte sind Antokolski nie mehr aus dem Ohr geschwunden, „du bist ein Künstler, Herr der Natur, nicht arbeiten sollst Du, sondern schaffen, und dies nur dann, wenn Deine Muße es will." Durch diesen Freund ermutigt, ging Antokolski eines Tages beherzt zur Gattin jenes Gouverneurs Nasimoff, die als Beschützerin aufstrebender Talente bekannt war. Einige Arbeiten, die er ihr zeigte,/ fanden ihren Beifall in solchem Maße, daß sie ihn nach Petersburg auf die Akademie schickte, nachdem sie persönlich die Einwilligung von seinem Vater erwirkt hatte. Mit einigen Rubeln und einer Empfehlung an eine Hofdame der Großfürstin Helene, eine Baronin Raden, in der Tasche reiste Antokolski im Sommer 1862 nach Petersburg. Da die Baronin den Sommer über verreist war, mußte er sich bis zum Spätherbst unter Entbehrungen durchschlagen. Nach ihrer Rückkehr empfahl sie ihren Schützling dem Direktor der Petersburger Kunstakademie. Er wurde auch anstandslos in sie ausgenommen und besuchte die Anstalt mit wiederholter Auszeichnung sechs Jahre lang. Die Mißwirtschaft in der Akademie brachte es mit sich, daß Antokolski meist sich selbst überlassen blieb. Daher auch die große Selbständigkeit schon in seinen ersten Werken. Naturgemäß schöpfte er seine Gegenstände zunächst aus den Eindrücken seiner Kindheit, aus dem elenden Leben der jüdischen Kantonisten, jener Ärmsten, die, im sogenannten Ansiedlungsrayon wie in einem Ameisenhaufen zusammengepfercht, ein unsagbar klägliches Dasein fristeten. 1864 modellierte Antokolski aus Holz als Hautrelief einen jüdischen Schneider, wie er die Nadel einfädelt, eine Arbeit, die er für 100 Rubel verkaufte. Von der Akademie erhielt er hierfür die silberne Medaille. Sein Jubel über das erste größere Erträgnis aus seinem Kunstfleiß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.