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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 91

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Mark Antokolski
Date
1926-01-01
Page
Seite 91 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Mark Antokolski. Von Djt. Max Gru nw a l d. t ie Lebensgeschichte des größten Bildhauers, den das Judentum bisher aufzuweisen hat, des zumeist als „russischer" Künstler bekannten Mark Antokolski, führt in jene Zeiten zurück, in denen Rußland dem Juden jeden Weg zu künstlerischer Ausbildung verschlossen hielt. Er wurde im Oktober 1842 in dem Vororte Antokol bei Wilna als Sohn eines Schankwirtes geboren. Seine Kindheit verlies ungemein trüb und freudlos. Alles im Hause, vom Vater bis auf die Dienstboten, mißhandelte ihn, schalt ihn einen Klotz und benützte ihn als Laufburschen. Ausgenommen allein die Mutter, die ihm auch später stets ein Rettungsanker war, wenn er an seinem Beruf verzweifeln wollte, und an der er darum mit einer an Anbetung grenzenden Liebe und Verehrung hing. Der Junge schien zu keinem Berufe zu taugen; man gab ihn zu einem Posamentierer in die Lehre, mußte ihn aber nach kurzer Zeit wegnehmen, mn es bei einem Graveur mit ihm zu versuchen. Es schien, daß aus ihm allenfalls ein tüchtiger Handwerker werden könne. In seinen Mußestunden, besonders des Nachts, schnitzte der kleine Mark Figuren aus Holz, modellierte er in Lehm. Er stellte Siegel her, deren Griffe allerlei Gestalten Wiedergaben. U. a. schnitt er in eine Bernsteinbrosche die Ganzfigur des Wilnaer Gouverneurs Nasimoff, die sprechend ähnlich war, obwohl er den Gouverneur nur flüchtig von ferne gesehen hatte. Sorgsam mußte er seine Arbeiten vor fremden Augen verbergen; denn alles vereinte sich, diese schüchternen Versuche in der Kunst gewaltsam zu unterdrücken. Ungeschwächt brannte ihm trotzdem in der Brust die Sehnsucht, Bildhauer zu werden und nach Petersburg auf die

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