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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 81

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Das Kulturproblem in der jüdischen Geschichte
Date
1926-01-01
Page
Seite 81 (sequence 8)
Language
German
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81 bestrickenden neuen Kultur und floh aus der Enge seines bisherigen Daseins in die Weite des schönen griechischen Lebens. Ein solcher Abfall stärkte natürlich auf der andern Seite die entgegengesetzten Tendenzen, die dem Griechentum auch nicht den geringsten Einfluß gestatten wollten. Eine dritte vermittelnde Richtung suchte aber die wertvollen Elemente der jüdischen und griechischen Kultur miteinander zu vereinigen und legte ihr Programm in einem charakteristischen Satze nieder: „Sagt dir jemand, es gebe Thora bei den Griechen, so glaube es nicht; sagt dir dagegen jemand, es gebe Chochma, so glaube es". Ein solcher Ausgleich zwischen den zwei bedeutsamsten Kulturfaktoren, zwischen der jüdischen Thora d. h. der religiössittlichen Bildung und der griechischen Chochma d. h. geistigen Bildung, hätte vielleicht schon damals einen Typus der höchsten Menschheitskultur geschaffen, wenn nicht der gewaltsame Hellenisierungsversuch des Antiochus Epiphanes die unentwegten Juden zu entschlossenem Widerstande gezwungen hätte. So siegte wenigstens in Palästina das alte griechenseindliche Judentum, während in Ägypten, wo die Juden nur eine kleine Minorität unter der griechisch gebildeten Bevölkerung ausmachten, eine weitgehende Assimilation Platz griff. Sie verlernten nicht nur die hebräische Sprache, sondern wurden auch in ihrer Gedanken- und Gefühlswelt immer stärker hellenisiert. Wohl hatten auch die ägyptischen Juden nicht etwa die Absicht, ihr Judentum ganz aufzugeben, ja sie bemühten sich sogar, und nicht ohne Erfolg, gebildete Griechen zu ihrer Religion zu gewinnen. Aber es fehlte ihnen die tiefe innere Kraft, und sie haben die Probe nicht bestanden. Denn als die Katastrophe des Jahres 70 n. Chr. auch dem zweiten jüdischen Staate ein Ende bereitete, besaßen sie nicht den inneren Halt, durch welchen ihre palästinensischen Brüder nunmehr auch in der Zerstreuung weiter ihre Eigenart behaupteten, sondern sie verschwanden bald wie in der Versenkung und gingen unrühmlich im Heidentum oder Christentum auf. Selbst die Schriften eines Philo, der ihr in jeder Beziehung bedeutendster Vertreter war und sein ganzes Leben an einer Verschmelzung jüdischen und 6

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