Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Der Sohar
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 31)
- Language
- German
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64 Adam weinte bitterlich und war ob dem Verlust des Buches untröstlich. Da erbarmte sich Gott seiner und ließ ihm das Buch durch den Erzengel Raphael Wiederbringen. Adam vererbte das Buch auf seinen Sohn Seth, dieser hinterließ es seinem Sohne, und so kam es als Erbgut in den Besitz aller folgenden Geschlechter bis auf Abraham; dieser vererbte es weiter, bis es in den Besitz unseres Lehrers Mose und nach Verlauf weiterer Jahrhunderte in den Besitz des Königs Salomo gelangte, der daraus alle seine Weisheit lernte"'2). Die Vorstellung eines himmlischen Buches der Weisheit ist sehr alt. Lange vor der Zeit des Tannaiten R. Simon ben Jochai, dem die Urheberschaft des So har zugeschrieben wird, wußte die alte jüdische Mystik von einem solchen Buche zu erzählen. Das apokalyptische Henoch-Buch, das etwa 50 bis 160 vor der christlichen Zeitrechnung entstanden ist, berichtet schon über ein Buch dieser Art- Chanoch stieg nach seiner Himmelfahrt wieder zur Erde nieder, um von seinen Kindern und Mitmenschen Abschied zu nehmen, und da erzählte er ihnen von den heiligen Mysterien, die er im himmlischen Buche gelesen hatte. In dem Buche, berichtet Chanoch, sind alle Ereignisse von der Erschaffung der Welt an bis in die fernste Zukunft verzeichnet. Es ist darin alles niedergeschrieben, was den Kindern Israels widerfahren wird, auch die messtanische Erlösung. Wir haben gesehen, wie groß und hehr der erste Mensch dastand, bevor er der Sünde verfallen war. Als er sich jedoch an Gott versündigte, wandelte er sich von einem göttlichen Wesen zu einem gewöhnlichen irdischen Menschen. Vorher haftete ihm das „Ebenbild Gottes" an, wie geschrieben steht: „Im Ebenbild Gottes schuf er den Menschen" (1. B. M. 5,1). Nach dem Sündenfall jedoch verlor er die Gottähnlichkeit. Früher flößte er mit seiner göttlichen Gestalt allen Geschöpfen der Erde Furcht ein; nach dem Sündenfall bekam er Angst vor *2) ibid. I. 55; II, 70.