Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Der Sohar
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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62 Alle Menschen stammen doch von Adam ab, wie kommt es also, daß sie so grundverschieden sind — so läßt sich zur Antwort geben: Hat denn Adam in allen Ländern gelebt? Und wieviel Frauen hatte er denn, um derart vielfältige Kinder in die Welt zu setzen? In Wahrheit lebte Adam bloß auf der obersten der sieben Erden, die dem obersten, siebenten Himmel, entspricht. Und gleichwie im siebenten Himmel der Thronsitz Gottes steht, auf dem der Weltenherr „in der Gestalt eines Menschen" (Ezech. 1,26) thront, so wohnt auf der obersten Erde der König aller Erdenbewohner, der Mensch, der auf den übrigen sechs Erden nicht seinesgleichen hat, denn dort leben ganz andere, merkwürdige Geschöpfe, solche von roter, schwarzer und weißer Farbe. Einige unter ihnen sind bekleidet, andere nackt und bloß wie die Würmer. Die Erde kreist um sich selber- Ein Teil ihrer Bewohner lebt in der Höhe, ein anderer Teil in der Tiefe; ein Teil der Erde ist beleuchtet, ein Teil liegt im Schatten; wenn es bei den einen Erdbewohnern Tag ist, haben die anderen Nacht, und es gibt ein Land, wo es immer Tag oder wo die Nacht äußerst kurz ist"'"). „Alle Geschöpfe der Erde hat Gott in den sechs Schöpfungstagen gebildet und ihnen ihre bestimmte Stätte angewiesen. Er setzte Regenten über sie im Himmel; selbst der kleinste irdische Grashalm hat seinen himmlischen Genius. Und alle irdischen Wesen bestehen bloß durch die Kraft, die ihnen ihre himmlischen Regenten verleihen"'"). Unter dieser unermeßlichen Zahl von irdischen Geschöpfen ragt der Mensch als Krone der Schöpfung, als höchstes Erdenwesen hervor. Der Mensch ist kein bloßer Erdenbürger: in ihm sind Himmel und Erde vereinigt, „er enthält in sich einiges vom Oberen und vom Niederen und fügt beides ineinander". Ohne den Menschen ist alles in der Welt unbedeutend, ja überflüssig. Schon zu Beginn der Weltschäpfung, als Gott bereits alle Dinge erschaffen hatte: den Himmel samt Sonne, Mond *8) ibid. in, 10. »») ibid. III, 86.