Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Der Sohar
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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49 gewinnt durch ihn gleichsam neue Kräfte, denn auch Gott bedarf für sein erhabenes Walten gewissermaßen der Mitwirkung des Menschen, gleichwie der Mensch in seinem Schaffen ganz auf Gott gestellt ist. Gott vernimmt die Worte des Menschen, wenn sie heilig und gerecht sind, und freut sich ihrer. Wenn der Mensch beim Studium der Thora einen neuen Gedanken, eine neue Erklärung gefunden hat, schwebt dieses neue Thorawort durch siebzigtausend Wellen zum Thronsitze Gottes empor, und Gott liebkost das heilige Wort, schmückt es mit hunderttausend Kronen, und aus dem neuen Thoraworte entsteht ein neuer Himmel. Das andächtige Gebet der Juden, sagt der Sohar, durchbricht alle sieben Himmel. Im ersten Himmel nehmen die Engelsfürsten das Gebet in Empfang, küssen es und geleiten es in den zweiten Himmel- Hier stehen andere Engelsfürsten bereit, das Gebet unter Liebkosungen entgegenzunehmen und es in seinem weiteren Aufstieg zu geleiten- So steigt das Gebet von Himmelshöhe zu Himmelshöhe, von Engeln und Seraphim begleitet und mit köstlichen Diademen geschmückt, bis es in den siebenten Himmel gelangt, wo der Erzengel Sandalphon, der Schlüsselbewahrer Gottes, es in Empfang nimmt.") Der Mensch ist nach der Anschauung des Sohar ein Wesen von göttlicher Hoheit. Er ist die Krone der Schöpfung. In ihm hat „Gott den Inbegriff aller himmlischen und niederen Welten zusammengefaßt. Wie Gott uns durch die Sterne und Sternbilder, die er erschaffen hat, Weisheit und Kenntnisse aller Art vermittelt, so schuf er auf dem Antlitz des Menschen heimliche Merkmale, die uns mancherlei Geschehnisse deuten lehren, manches Verborgene erschließen. Allein das Mysterium der Physiognomik (Ehochmath haparzuph) ist bloß einigen Auserlesenen Vorbehalten; nur sie vermögen seine Zeichensprache zu deuten" .3S) -') Sohar II, 201/202; I, 4. 35) ibid. III, 48; II. 70. 4