Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Der Sohar
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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48 umfaßt mit gleicher Allgüte die Gelehrten und die Laien. Seine Herrlichkeit ist überall gegenwärtig, jeder kann sich ihm nähern. Er ist nicht oben und nicht unten, er ist allerorten; er ist mit jedem Menschen, in jedem Menschen und in jedem Ding. Er ist mit jeglicher Kreatur innig vereint. „Er umgibt alle Welten, alle Ausdehnungen, das Oben und das Unten. Er erfüllt und beseelt alle Welten. Es gibt keinen Ort ohne seine Gegenwart, unendlich ist er in den Höhen, unendlich in den Tiefen." Er durchdringt das All mit seinem Sein, und jegliches Ding schöpft sein Leben aus ihm, „ohne ihn wäre alles tot-" Er ist „die Seele aller Seelen", er „durchgeistigt alles Seiende". Alle Geschöpfe sind bloß Ausstrahlungen der unendlichen Weltseele Gottes. Darum ist alles in der Welt gut; auch das scheinbar Böse und Häßliche birgt Funken des göttlichen Geistes, also ist absolut Böses gar nicht denkbar, denn die vollkommene Wahrheit und das Gute an sich, nämlich Gott, ist allgegenwärtig. Deshalb „darf der Mensch nichts in der Welt wegwerfen und verstoßen, nichts verschmähen oder bekämpfen, denn alles ist von Gott und mit Gott, nichts hat Gott zwecklos erschaffen."^) Die ganze Natur und alle Geschöpfe vergöttlicht der Sohar gleichsam, da Gott ihr Urheber ist und stets in ihnen waltet. Im Sinne dieser Auffassung hebt er insbesondere die Würde des Menschen und seinen hohen Rang hervor, im Gegensatz zu gewissen Tendenzen des Talmud und des rabbinischen Judentums, in denen sich eine Herabsetzung des Menschen kundgibt, der häufig einem Wurm und dem Staube der Erde gleichgesetzt wird. Der Mensch gleicht der Leiter im Traume des Erzvaters Jakob: er fußt auf dieser Erde, allein sein Haupt ragt in den Himmel empor, er verkörpert in seinem Wesen die Verbindung des Himmels mit der Erde, verschwistert die obere mit der niederen Welt- Durch seine gottgefälligen Handlungen wirkt er umgestaltend auf alle Welten ein. Der Weltenherr selber 33) Sohar III, 225; Sohar chadasch, Wochenabschnitt Jithro.