Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Der Sohar
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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47 ihn als einen exklusiven Gott der Denker und Gelehrten hinzustellen, der sich um die einfachen Menschen, die nicht philosophieren können, gar nicht kümmert. Der alte jüdische Glaube kennt den Fundamentalfatz der „individuellen göttlichen Vorsehung (Haschgacha peratith)". Welch ein überwältigender, erhabener Gedanke! Gott beobachtet und überwacht jede leiseste Bewegung des Menschen; sein fürsorglicher Blick wendet sich keinen Augenblick vom Leben und Treiben seiner Menschenkinder ab. Wie ein barmherziger Vater sorgt er in unerschöpflicher Güte für jedes einzelne von ihnen. Za noch mehr: seine „individuelle Fürsorge" erstreckt sich sogar aus das Tierreich und die Pflanzenwelt. Kurz: wie er die Welt erschaffen hat, so leitet er allein sie in allen ihren Teilen und läßt jeglichem Ding seine väterliche Fürsorge angedeihen. Allein unsere Religionsphilosophen haben den Glaubenssatz in dieser Form abgelehnt. Da die unwissende Menge nun einmal verurteilt ist, „außerhalb des königlichen Palastes" zu bleiben, kann ihr auch die genaue Beobachtung der Thoravorschriften nicht viel nützen: sie bleibt von Gott verlaßen. Nach Maimonides wendet sich die göttliche „individuelle Vorsehung" in vollem Matze nur demjenigen Frommen zu, „der in feiner Gotterkenntnis vollkommen ist und dessen Denken unablässig am Göttlichen haftet. Nur er wird der steten besonderen Vorsehung Gottes teilhaftig."^) Daraus würde sich ergeben, daß die große Menge, die einer solchen vollkommenen Erkenntnis, eines derart geläuterten Denkens unfähig ist, vom besonderen Walten der göttlichen Fürsorge ausgeschlossen bliebe. Ganz anders stellt der Sohar die Beziehungen zwischen Gott und den Menschen dar. Mit welcher Eemütstiefe und Eindringlichkeit, mit welcher treuherzigen, unverbildeten Gläubigkeit spricht der Sohar von Gott! Der Gott, der uns im Sohar begegnet, kennt keine Unterschiede der Erkenntnis und des Wissens, er ss) ibid. Hl. 18.