Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Der Sohar
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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46 Auserwählte werden gewürdigt, einzutreten und dem König ihre Aufwartung zu machen. Die Nutzanwendung ist im folgenden gegeben: „Solange du dich mit den mathematischen Wissenschaften und der Logik beschäftigst, gehörst du zu denen, die den Palast umkreisen und die Eingangspforte suchen. Hast du dich in der Naturwissenschaft vervollkommnet, so bist du im äußeren Vorhof des königlichen Schlosses angelangt. Vollendest du das naturwissenschaftliche Studium und wendest dich der Philosophie und Theologie zu, so bist du schon in den inneren königlichen Vorhof eingedrungen und weilst in einem Raum mit dem König. Dies ist die Stufe der Weisen nach den verschiedenen Graden ihrer Vollkommenheit."'") In diesem Gleichnis und seiner Erläuterung treten uns im Hinblick auf die Beziehungen der einzelnen Menschen zu Gott Klassenunterschiede entgegen- Nicht jedermann kann in nahe Beziehungen zu Gott treten. Und da entsteht die schwierige Frage: Was soll die große Masse anfangen, der das Studium der Naturwissenschaft und der Logik fernliegt? Was soll die große Mehrzahl des jüdischen Volkes anfangen, die in schlichter Gläubigkeit und Herzenseinfalt den Gott Israels bekennt und die Gebote der Thora gewissenhaft erfüllt? Mäimonides antwortet recht kaltherzig auf diese Frage: „Die Menge der unwissenden Gläubigen, die die göttlichen Gebote beobachtet, bemüht sich redlich, in die Nähe des Königs zu gelangen, hat aber den königlichen Palast niemals mit eigenen Augen gesehen."'*) Demnach muß sich die große Masse, deren Herz von tiefster Sehnsucht nach Gott erfüllt ist, muß sich dieser Hauptbestandteil des jüdischen Volkskörpers damit bescheiden, allezeit „draußen zu bleiben". Der geistige Aristokratismus unserer Religionsphilosophen drohte, ^azu zu führen, Gott den jüdischen Massen zu entfremden, ->°) idiä. III, öl. ibick.