Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 43

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Der Sohar
Date
1926-01-01
Page
Seite 43 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111120-3118241--6832-3118323
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Forsdiunssäbtcilung Jadenfraga des Reidisinsfituts für Geschichte des neuen Deutschlands -=- 43 ■*-- 1IV. Der Sohar ist ein durch und durch religiöses Buch, von der ersten bis zur letzten Seite erfüllt von göttlicher Inbrunst. Das „beständige Licht" des Eottesfeuers strahlt darin, und wir empfinden in jedem Worte nichts als glühende Sehnsucht nach Gott und völlige Hingabe an das Göttliche- In dieser Hinsicht steht der Sohar in der alten jüdischen Literatur einzig da, denn selbst Bibel und Talmud enthalten so manche „weltliche" Dinge, Er- | Zahlungen usw-, die gar keine oder nur ganz lose Bel Ziehungen zu dem göttlichen Inhalt der jüdischen Re- I ligion aufweisen. Hingegen sieht der Sohar in allen Dingen einzig und allein Gottes Herrlichkeit, alles Irdische und Sinnliche erscheint ihm beseelt vom Odem des Göttlichen, „und Gottes Geist schwebt über den Gewässern". Für ihn ist auch das sinnlich Wahrnehmbare, das Alltägliche, ein überirdisches Mysterium. Allen gesetzlichen Vorschriften der Thora schreibt er einen geheimnisvollen Sinn, eine mystische Bedeutung zu, ja selbst die gewöhnlichsten Gespräche und die durchaus prosaischen Begebenheiten der Bibel sind für den Sohar sinnvolle Einkleidungen göttlicher Mysterien. Erst durch den Sohar erlangt das biblische Wort den Charakter absoluter Heiligkeit, denn für den Sohar gibt es kein i-Tüpfelchen in der Bibel, das nicht seinen geheimen Sinn hätte, und alles, was wir in der Bibel lesen und dem Wortsinne nach zu verstehen glauben, ist für ihn bloß äußere Hülle, eine Schale, die den tief verborgenen mystischen Kern umschließt. Das rein Geistige, die „Mysterien der Thora", in die nur den allerwenigsten Menschen Einblick gegönnt ist, sie allein bilden das Wesen der Thora, das eigentliche Wort Gottes. „Nur Toren," sagt der Sohar, „nehmen nicht wahr, was hinter der Hülle der einfachen Erzählung unserer Thora sich verbirgt." „Wehe dem Manne, der wähnt, das Kleid der Thora sei die Thora selbst." „Siehe, ein irdischer, sterblicher König achtel der Dinge des Alltags nicht, geschweige denn, daß er selber sie aufzeichnen möchte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.