Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Der Sohar
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Forsdiunssäbtcilung Jadenfraga des Reidisinsfituts für Geschichte des neuen Deutschlands -=- 43 ■*-- 1IV. Der Sohar ist ein durch und durch religiöses Buch, von der ersten bis zur letzten Seite erfüllt von göttlicher Inbrunst. Das „beständige Licht" des Eottesfeuers strahlt darin, und wir empfinden in jedem Worte nichts als glühende Sehnsucht nach Gott und völlige Hingabe an das Göttliche- In dieser Hinsicht steht der Sohar in der alten jüdischen Literatur einzig da, denn selbst Bibel und Talmud enthalten so manche „weltliche" Dinge, Er- | Zahlungen usw-, die gar keine oder nur ganz lose Bel Ziehungen zu dem göttlichen Inhalt der jüdischen Re- I ligion aufweisen. Hingegen sieht der Sohar in allen Dingen einzig und allein Gottes Herrlichkeit, alles Irdische und Sinnliche erscheint ihm beseelt vom Odem des Göttlichen, „und Gottes Geist schwebt über den Gewässern". Für ihn ist auch das sinnlich Wahrnehmbare, das Alltägliche, ein überirdisches Mysterium. Allen gesetzlichen Vorschriften der Thora schreibt er einen geheimnisvollen Sinn, eine mystische Bedeutung zu, ja selbst die gewöhnlichsten Gespräche und die durchaus prosaischen Begebenheiten der Bibel sind für den Sohar sinnvolle Einkleidungen göttlicher Mysterien. Erst durch den Sohar erlangt das biblische Wort den Charakter absoluter Heiligkeit, denn für den Sohar gibt es kein i-Tüpfelchen in der Bibel, das nicht seinen geheimen Sinn hätte, und alles, was wir in der Bibel lesen und dem Wortsinne nach zu verstehen glauben, ist für ihn bloß äußere Hülle, eine Schale, die den tief verborgenen mystischen Kern umschließt. Das rein Geistige, die „Mysterien der Thora", in die nur den allerwenigsten Menschen Einblick gegönnt ist, sie allein bilden das Wesen der Thora, das eigentliche Wort Gottes. „Nur Toren," sagt der Sohar, „nehmen nicht wahr, was hinter der Hülle der einfachen Erzählung unserer Thora sich verbirgt." „Wehe dem Manne, der wähnt, das Kleid der Thora sei die Thora selbst." „Siehe, ein irdischer, sterblicher König achtel der Dinge des Alltags nicht, geschweige denn, daß er selber sie aufzeichnen möchte.