Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Der Sohar
Date
1926-01-01
Page
Seite 35 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111120-3118241--6824-3118315
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

85 diese drei literarischen Mittelpunkte. Die indische Literatur seit dem Abschluß des biblischen Kanons bis zur Gegenwart besteht zum großen Teil aus Kommentaren und Erläuterungen zu diesen drei religiösen Erundwerken. Der Sohar ergänzt und vervollständigt die beiden anderen Quellenschriften- Zn mancher Hinsicht übertrifft er selbst Bibel und Talmud: mancherorts sind seine Eedankengänge tiefsinniger, seine religiöse Phantasie erscheint glänzender und farbenreicher, sein tiefer Gottesglaube ursprünglicher und unmittelbarer, seine Sprache glutvoller und ergreifender, von göttlicher Inbrunst durchseelt. Die Heiligkeit des Sohar ist dem jüdischen Herzen tief eingeprägt. Wie der gläubige Jude den Ursprung der Thora und des Talmud auf die sinaitische Offenbarung zurückführt, so glaubt er auch an den göttlichen Ursprung des Sohar. Die Worte des Sohar sind ihm heilig wie „die Lehre Moses". Die führenden Kabbalisten haben in gewisser Beziehung den Sohar höher gestellt als Bibel und Talmuds. Sie rückten die Lehren des Sohar in den Vordergrund des Judentums und hoben hervor, daß sein Studium geeignet sei, die mesfianische Erlösung zu beschleunigen. So schrieb ein Kabbalist: „Das Studium des Sohar wird die Erlösung Israels aus der Zerstreuung und seine baldige Wiedervereinigung im Lande der Väter bewirken. Die Segenskraft des Sohar wird allen Menschen Freiheit und derartiges Wohlergehen bringen, wie bisher noch nicht erlebt worden ist"* *). Aehnliches ist im Sohar selbst ausgesprochen. Es wird darin auf Daniel 12,3 hingewiesen, wo es heißt: „Die Verständigen werden leuchten wie der Glanz (Sohar) des Himmels". „Damit meint die Schrift diejenigen Frommen, die im Buche Sohar forschen werden"*). Allein es ist keineswegs leicht, in den Inhalt des Sohar einzudringen. Seine Vgl. z. B. die Schrift Or Neeraw von R. Mose Cor - d o v e r o 4,2. R. Isaak de Lattes in seinem Vorwort zum Sohar. *) Sohar III, 124. 3*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.