Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Der Sohar
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 2)
- Language
- German
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85 diese drei literarischen Mittelpunkte. Die indische Literatur seit dem Abschluß des biblischen Kanons bis zur Gegenwart besteht zum großen Teil aus Kommentaren und Erläuterungen zu diesen drei religiösen Erundwerken. Der Sohar ergänzt und vervollständigt die beiden anderen Quellenschriften- Zn mancher Hinsicht übertrifft er selbst Bibel und Talmud: mancherorts sind seine Eedankengänge tiefsinniger, seine religiöse Phantasie erscheint glänzender und farbenreicher, sein tiefer Gottesglaube ursprünglicher und unmittelbarer, seine Sprache glutvoller und ergreifender, von göttlicher Inbrunst durchseelt. Die Heiligkeit des Sohar ist dem jüdischen Herzen tief eingeprägt. Wie der gläubige Jude den Ursprung der Thora und des Talmud auf die sinaitische Offenbarung zurückführt, so glaubt er auch an den göttlichen Ursprung des Sohar. Die Worte des Sohar sind ihm heilig wie „die Lehre Moses". Die führenden Kabbalisten haben in gewisser Beziehung den Sohar höher gestellt als Bibel und Talmuds. Sie rückten die Lehren des Sohar in den Vordergrund des Judentums und hoben hervor, daß sein Studium geeignet sei, die mesfianische Erlösung zu beschleunigen. So schrieb ein Kabbalist: „Das Studium des Sohar wird die Erlösung Israels aus der Zerstreuung und seine baldige Wiedervereinigung im Lande der Väter bewirken. Die Segenskraft des Sohar wird allen Menschen Freiheit und derartiges Wohlergehen bringen, wie bisher noch nicht erlebt worden ist"* *). Aehnliches ist im Sohar selbst ausgesprochen. Es wird darin auf Daniel 12,3 hingewiesen, wo es heißt: „Die Verständigen werden leuchten wie der Glanz (Sohar) des Himmels". „Damit meint die Schrift diejenigen Frommen, die im Buche Sohar forschen werden"*). Allein es ist keineswegs leicht, in den Inhalt des Sohar einzudringen. Seine Vgl. z. B. die Schrift Or Neeraw von R. Mose Cor - d o v e r o 4,2. R. Isaak de Lattes in seinem Vorwort zum Sohar. *) Sohar III, 124. 3*