Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Eine altkastilische Prachtbibel
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 20)
- Language
- German
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28 Legende ein. Hier kommt im bunten Wechsel zur kirchlichen die jüdische hinzu. Schon der Erdenstaub, aus dem der Leib Adams geformt worden, wird also zweifach erklärt. Das Oelblatt im Schnabel der Taube Noahs wird dort mit Berufung auf Jer. 11,16 auf die Jungfrau Maria bezogen, hier aufs Paradies zurückgeführt. Reich entfaltet ist die P a r a b e l in der Erzählung von Noahs Weinstock. Da er ihn pflanzte, bot ihm der Satan seine Gesellschaft an und nahm alsbald ein Lamm, einen Löwen, einen Affen, dann ein Schwein, die er schlachtete, um ihr Blut mit dem Wein zu vermischen. Daher erhielt dieser von ihren Eigenschaften, und der Trinker erscheint anfangs wie ein Lamm, dann gleicht er dem Löwen, und fährt er fort, dem Affen, bis er schließlich wie ein Schwein beschmutzt weitersäuft, ohne es zu merken. Erkennen wir dies recht, so werden wir uns verständig davor bewahren. Nach der Schrift bringt der Rausch viele Uebel mit sich, erst raubt er die Scham, wie an Noah selbst zu sehen ist, dann nimmt er dem König die Krone, wie es Jes. 28,1 ausspricht. Er tötet den Erstgeborenen, nämlich Adam, der vor seiner Sünde von ihm getrunken hatte, wie sein Geschlecht, die Sänger des Doms, und zwar die Söhne Arons, die fremdes Feuer auf den Altar brachten, die Könige der Nacht wie Belsazar nach dem Buche Daniel, die Könige des Tages, wie es von Benhadad, dem König von Syrien heißt, der mit vielen anderen Israel einschloß, daß sie sich auf einem Fest betranken und dann getötet wurden; endlich stört es das Mahl der Könige, das bezeugt Basti, die der trunkene König töten ließ. Oft findet sich, besonders in den Propheten Gelegenheit, zwischen den jüdischen und christlichen Ansichten zu unterscheiden, so in Jes. 7,14. Dazu wird folgendes erklärt: Hier ist im Text wie seiner Erklärung ein unendlicher Unterschied zwischen den jüdischen und lateinischen Erklärern. Jene beziehen ihn auf das Weib des Propheten oder des damaligen Königs, um ihn vor den andern Königen zu trösten.