Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Eine altkastilische Prachtbibel
Date
1926-01-01
Page
Seite 24 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3111067-3111120-3118240--6812-3118304
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

24 übliche Sinnbild angewendet und die äußere Gestaltung den Motiven jener Zeit nachgebildet. Damit vermag der das Ganze überschauende Betrachter zur Wahrheit des unverfälschten Zeugnisses religiösen Lebenszu gelangen und dieses immer von neuem wirkende Kraft in seinem eigenen Leben zu gewinnen. Schicksalsfügungen. Zehn Jahre lang durfte der Hochmeister D. Luis de Euzman sich des Besitzes seiner Bibel erfreuen, die vor allem durch den persönlichen Ton, der sie von Anfang bis zum Schluß durchzieht, ihm besonders zu eigen war. Seine letzten Stunden waren durch den Ehrgeiz des mächtigen Günstlings des D. Enrique getrübt, der um seine Nachfolge kämpfte und Städte und Schlösser des Ordens besetzte. Durch seines Freundes de Luna Einfluß hatte er erwirkt, daß die Calatravaer mit Ueberfchreitung der alten Grenzen der Ordenseinrichtung einmal eine Jungfrau heiraten durften, aber schon drei Jahre, nachdem er die Jungfer der Königin D° Catalina, D. Ines de Torres, zum Weibe genommen, starb er. verstimmt über die Beleidigungen der Ordensritter, zu Almagro. Nach der Versicherung Rabbi Moses hat er mit Weib und Kindern in den elf Jahren der Herstellung der Bibel tausend Doblas dafür verbraucht, was nach damaligem Werte mehr als 18 000 Piaster, etwa 4 Millionen darstellen würde. Danach hätte der Herr von Euzman für seine Bibel mehr aufgebracht als der Herzog von Alba für seine glänzende Reiterei an dreißig Plätzen. Zudem erfahren wir aus der Schrift eines derselben Familie angehörigen D. Salomon Arraxel über den rechtlichen Verkauf der Güter der aus Guadalajara 1499 vertriebenen Juden, daß Rabbi Mose von dort herstammte. Weiteres aber wissen wir nicht über das Lebensschicksal des Mannes, der durch die Unerschütterlichkeit seines Bekennermutes wie seiner Ahnentreue so hoch hervorragte. Allein sein Werk legt für ihn Zeugnis ab.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.