Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Eine altkastilische Prachtbibel
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Vögel auf den untern Stufen, und sobald Salomo sich auf dem Thron niedersetzte, brüllten Löwe und Stier, es brummte der Bär, das Kind weinte, der Pfau kreischte, die Henne gackerte, und die Vögel pfiffen und girrten. Für den königlichen Beherrscher der Völker aber war in der Mitte der Stufen eine Tafel mit sechs Vorschriften in güldenen Lettern angebracht. In der ersten Reihe stand: Bring keine Opfer von Verstümmelten dar! auf der zweiten: Fertige keine Götzenbilder an! auf der dritten: Pflanze keinen Hain! auf der vierten: Achte nicht auf Schmeichelreden! auf der fünften: Nimm keine Zahl auf! auf der sechsten: Wandle das Recht nicht zum Unrecht! — Am Sockel zu des Königs Füßen lauschten Israeliten seinen Entscheidungen. Auf Arragels Beratung geht auch das Bild zurück» das Job, seine Frau und den Satan darstellt. Auf einer Anhöhe sitzt zur Rechten der fromme Dulder, den sinnenden Blick in die Ferne gerichtet, als suche er, über alle: irdischen Dinge hinwegschweifend, im Unendlichen die Lösung der wirren Rätsel des Lebens, die ihm das Innere zerwühlen. Das zurückgeschlagene Kleid läßt den Aussatz erkennen, dessen quälendes Jucken er mit einer Scherbe zu lindern sucht. Vor ihm hocken die drei Freunde, die sich im ohnmächtigen Schmerz das Haar ausraufen, auf der anderen Seite, am Eingang ihres Hauses, sein Weib, das Haupt in Trauer geneigt und das Gesicht in der Hand bergend. Der reiche Faltenwurf des Gewandes verhüllt gänzlich die Gliederung des Körpers, läßt aber die eigentümlich anmutig bewegte Haltung erkennen, die sich nicht aus natürlichen Bedingungen erklären läßt. Vor ihr steht der Satan mit Hörnern am Kopf und gespreizten Hahnenklauen und formt gleißnerisch funkelnde Kugeln, die er in grimmigem Hohn ihr zuschleudert. — Andere Darstellungen bekunden eine rückhalt-, ja rücksichtslose Naivität. Eva ist durch die Geburt eines Kindes als die Mittlerin menschlichen Lebens gezeigt» Josua nimmt an den Israeliten die Beschneidung vor, um die wilden Triebe des Volkes einzudämmen, und