Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Eine altkastilische Prachtbibel
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 12)
- Language
- German
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20 littet mit tonsiertem Haupthaar, in kurzem Rock, das Ordenskreuz auf der Brust, mit gotischer Strumpfhose wie der Meister und alle Männer. Sie teilen Liebestaten an bärtige Juden aus, Essen, Trinken, Beschuhung, Kleidung, Krankenbesuch, Tröstung, Bestattung. (Das durch diese Bilder veranschaulichte Schicksal läßt sich nur erdichten.) Am Sockel des stilisierten Prachtbaues in der Mitte R. Mose Arragel, auf den Knien die köstliche Bibel dem Hochmeister darreichend, der mit erhobener Rechten auf den Verfasser hinweist, zu beiden Seiten die wie der Maestro schwertumgürteten Ordensritter. Das nebenstehend wiedergegebene Bildchen stellt den Auszug der Kinder Israels aus Aegypten dar, oben Gott, der Herr mit ausgebreiteten Schöpferarmen, mit der Linken eine Feuersäule erhebend, mit der Rechten ein Wolkenbündel zusammenfassend. Unter ihm der geflügelte Engel, das lange Schwert in der Linken, voranschreitend und hinter seinem Rücken die schwer gepanzerten Aegypter, mit langen Lanzen auf Pferden reitend, rechts an ihrer Spitze Pharao in fürstlicher Gewandung, die Krone auf dem Haupt zu Pferde. Vor dem Engel aber der Zug der Israeliten, denen er mit der leicht erhobenen Rechten gleichsam den Weg weist, voran die Frauen, denen die Mantille, der lange spanische Spitzenschleier vom Haupte züchtig niederfällt, dahinter die Männer, denen zur Seite auf einem Maultier Mose geruhsam voranreitet, hinter ihm auf einem Pferde Aron. Das dreigliedrige Bild mit dem Weltenherrn an der Spitze zeigt diesen nicht mit Allgewalt das Schicksal der Völker erschüttern und neu gestalten, sondern in machtvoll gelassener Ruhe wendet er's nach seinem Ratschluß, sein Herrscherwille ist gleichsam in platonischer Mystik zur sichtbaren Engelsgestalt aufgelöst und fortgeleitet. Während die bisherigen Bilder deutlich den christlichen Einfluß zeigen, geht das von Mose mit den Gesetzestafeln vollständig auf die Weisungen Arragels zurück, wie aus kleinen, aber entscheidenden Gegensätzen deutlich wird. Wie vom heiligen Geiste getragen, hält