Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5686
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 von der in den Gemeindevertretungen sehr zahlreichen agudistischen Orthodoxie dem Ausbau des jüdischen Schulwesens der anderen Richtungen die allergrößten Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Ernsteste Beachtung verdienen die Fortschritte der jüdischen Kolonisation in Sowjetrußland. Von den etwa drei Millionen Juden sind 850 000 den Gewerkschaften angeschlossen, während 380 000 vom Ackerbau leben. Die größere Mehrzahl der jüdischen Bevölkerung, die noch heute entweder durch den fast vernichteten Handel ihr Dasein zu fristen versucht oder überhaupt zu den Luftmenschen gehört, bildet den Gegenstand der Fürsorge der großen Organisationen, die sich um die Ueberführung der Juden zur Landwirtschaft bemühen. Die Regierung hat bisher diesen Bestrebungen weitgehendste Förderung zuteil werden lassen, sie hat in Südrußland und in der Krim Grund und Boden und, da dieser bereits fast völlig belegt ist, neuen in Aussicht gestellt, auch volle Gemeindeautonomie gewährt. Nach zuverlässigen Berichten sind bereits 45 000 jüdische Seelen in landwirtschaftliche Betriebe überführt worden und, was das Wichtigste ist, die bisherigen Erfolge sind überaus günstig, die Wirtschaften der neuen jüdischen Kolonisten werden von den benachbarten russischen Bauern als Musterwirtschaften angesehen, sie sind auch mit Maschinen und anderen Produktionsmitteln weit besser ausgestattet als die der russischen Bauern. Weitere 100 000 jüdische Familien warten auf die Anstedlung. Hier bereitet sich ein Kolonisationswerk mit unabsehbaren Möglichkeiten für die Zukunft vor — wofern sich die Regierung behauptet. Es kann nicht Wunder nehmen, daß diese Bewegung die Aufmerksamkeit der Juden der ganzen Welt auf sich gelenkt hat und daß neben den alten Kolonisationsgesellschaften, wie der JCA, sich insbesondere die amerikanischen Juden lebhaft für dieses Hilfswerk interessieren. Das Joint Distribution Committee versuchte, in großzügiger Werbearbeit zunächst 15 Millionen Dollar aufzubringen, von denen der allergrößte Teil für die Ko-