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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 4

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Rückblick auf das Jahr 5686
Date
1926-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Anstellung bewerben. Jetzt liegen vollgültige Beweise dafür vor, daß eine planmäßige völkische Agitation darauf ausgeht, die Juden in Deutschland wirtschaftlich zu isolieren und dann zu vernichten. Auch das ist ein Zeichen der Zeit, daß in Bayern mit den Stimmen von einflußreichen Parteien, die sonst eifrige Verfechter der Gewissensfreiheit waren, eine Resolution angenommen werden konnte, die einem Schächtverbot gleichkommt. Im Osten Europas ist der politische Horizont etwas weniger umwölkt als in den vergangenen Jahren. In Litauen haben die Wahlen die alte klerikal-nationalistische Mehrheit gestürzt und eine den Minderheiten, auch den Juden, günstiger gestimmte Koalition zur Regierung gebracht. In Polen war die Regierung Grabski langsam zur Verwirklichung einiger dem jüdischen Sejmklub gemachten Versprechungen übergegangen, als ihr durch das Eingreifen des Marschalls Pilsudski der Garaus gemacht wurde. Ob das neue Regime sich behaupten, ob es durch Neuwahlen Bestätigung finden wird, liegt noch völlig im Dunkeln — soviel die jüdische Frage anlangt, darf man jedoch schon heute sagen, daß die Einstellung der gegenwärtigen Regierung staatsmännischer ist als die aller ihrer Vorgänger seit 1918. Von einer neuen „Abrede" mit den jüdischen Parlamentariern will sie absehen, dafür aber hat sich der Ministerpräsident Bartel mit aller Entschiedenheit gegen den Antisemitismus in der Staatsverwaltung und insbesondere gegen die wirtschaftliche Bedrückung der Juden ausgesprochen, sich bisher auch durchaus loyal verhalten. Eine gewisse Erleichterung ihrer wirtschaftlichen Lage erreichen die Juden auch durch Selbsthilfe, insbesondere durch die von der Gesellschaft „Ort" gegründeten Produktionsgenossenschaften und Institutionen zur Ausbildung und Beratung von Handwerkern und Landarbeitern. Tatsächlich ist während der letzten Wochen auch in Kongreß-Polen, wo das Elend am drückendsten war, eine geringe Besserung der Wirtschaftslage zu verspüren. Verschlimmert hat sich die kulturelle Lage, da

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