Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Alt-Kempen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Und abermals nach vielen, vielen Jahren sind wir desselbigen Weges gefahren. Es galt, die Gräber teurer Dahingeschiedener aufzusuchen. Das alte polnische Städtchen zeigte sich auf den ersten Blick fast garnicht verändert. Die Synagoge beherrschte wie ehedem als bedeutendstes Bauwerk das Stadtbild; aber neben den alten Holzbau der katholischen Kirche' war ein neues, schönes, aus Backstein errichtetes Gotteshaus getreten. Auf dem Markte sah man hie und da polnische Ladenschilder. Ein polnischer Bürgerstand hatte sich hier im Laufe der Jahre ausgetan. Die Kempener Juden aber sind treue Anhänger des Deutschtums geworden. Die polnische Begeisterungswelle vom Jahre 1848 war längst vorübergerauscht. Wäre es in Kempen zu einer Abstimmung gekommen, die dortigen Glaubensgenossen hätten in ihrer Treue zu Deutschland nicht geschwankt. Wußten sie doch «us eigener Erfahrung, wessen sie sich unter den Fittichen des weißen Adlers zu versehen haben würden. Nachschrift. Ml nd abermals nach vielen Jahren kam ich, um mit Chidher zu reden, besselbigen Weges gefahren. Unmittelbar vor der Stadt fiel mir eine auf einer Bretterwand angebrachte Aufschrift in die Augen: „Volksbad der Stadt Kempen. Stiftung des £. Also bis hierher -wären die Einwirkungen zeitgenössischer Bestrebungen zur Pflege der Volksgesundheit vorgedrungen. Das mochte als eine günstige Vorbedeutung gelten. Allein das eigentliche Stadtbild war das unveränderte alte geblieben. Wenigstens auf den ersten Blick hin schien es so zu sein. Bei näherem 131 9-