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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 118

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Alt-Kempen
Date
1923-01-01
Page
Seite 118 (sequence 38)
Language
German
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Wie verhielt es sich nun aber mit den inneren Zuständen der M-Kempener Gemeinde? Werfen wir zunächst einen flüchtigen Blick auf das Schulwesen, wenn es überhaupt erlaubt ist, sich dieses Ausdruckszu bedienen. Einige aus der „Provinz", nämlich Posen, zugewanderte Lehrer hielten „Cheder"; hier wurden die Anfangsgründe im Hebräischen den Kindern beigebracht. Mit vollendetem vierten Jahre wurden damals die Kinder ins Cheder geschickt, wo ihnen der „Dardeke-Melammed", (Elementar-Lehrer) von einem, „Belfer", Behelfer unterstützt, das Aleph-Beth, dann die „Jwre", das Wortlesen, eingebläut wurde. Da saßen dann die armen Wesen auf einer niedrigen, roch abgehobelten Holzbank stundenlang vor einem schmalen, langen, notdürftig zusammengezimmerten Tisch undsagten im Chor die Buchstaben her, bis sie im Gedächtnis festhafteten. Dann wurden die Buchstaben nach der Lesefibel dem Gesicht eingeprägt, und das eigentliche- Lesen begann. Gleichzeitig wurden den jugendlichen -Gehirnen einige kurze Morgen- und Abendgebetformeln, sowie einige der gebräuchlichsten Segenssprüche für Speisen und Trank in des Wortes verwegenster Bedeutung eingetrichtert. Diese anscheinend so überaus rohe Unterrichtsweise bewirkte indessen doch, daß in verhältnismäßig kurzer Zeit eine ganz ansehnlicheMenge hebräischen Sprachstoffes sich dem empfänglichen Kindesgedächtnis fest einprägte. Binnen wenigen Monaten konnten schon größere Hauptstücke aus dem „Siddur" (Gebetbuch) vorgenommen und in allerdings recht fragwürdiges Deutsch übersetzt werden. Nach einem Unterrichtsjahr begann bereits das „Chumesch"-Lesen. Ohne jede grammatische Vorkenntnis wurde der „Cheder" Schüler in die hebräische Bibel eingeführt. Erwähnenswert ist, daß damals ein christlicher Knabe an dem Cheder-Unterricht teilnahm. Der Vater desselben, ein. bibelfester Tischlermeister, hatte es sich nämlich in den. 118

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