Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Alt-Kempen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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hatten, sich aber auf die Schönheit und die rituelle Vollkommenheit eines „Korfuer" Esrogs so gut verstanden, wie etwa ein Geigenvirtuose aus eine Stradi- Dari oder eine Amati. Solch ein Esrog wurde, sorgfältig in Watte eingewickelt, entweder in einer Schachtel, oder in einem Silbergefäß ins Gotteshaus .getragen, wo er dann während des Umzuges beim großen Lobgesang, dem Halle!, enthüllt wurde. Der Umgang um das Almemor, an dem sich Hunderte Don Gemeindemitgliedern beteiligten, gewährte ein lief eindrucksvolles Schauspiel. Das Laubhüttenfest sällt mit dem Ende des synagogalen Jahrs — um Lies Wort zu gebrauchen — zusammen, und der letzte Dag des Festes ist zugleich der Freude geweiht über die Beendigung der auf die Sabbate des abgelaufenen Jahres verteilten Vorlesungen der Wochenabschnitte aus den fünf Büchern Mosis. Dieser Tag der Gesetzesfreude „Simchath thorah" wurde mit lautem Jubel innerhalb und außerhalb der Synagoge begangen. Es wurden sogar trotz des Verbotes- Freudenschüsse „auf der Gaff" abgegeben. In der Gemeindestube wurde Pfefferkuchen und süßer Wein oder Likör verabreicht. „Lekach" und „Brausen" <Onkel Bräsig's „Brannwien") Der Esrog aber wanderte, nachdem er seine rituelle Schuldigkeit getan, in die Küche, woselbst er unter den Händen der erfahrenen Hausfrau zu einer vortrefflichen Leckerei umgewandelt wurde, die für besondere Winterfestlichleiten oder für besonders hohen Besuch, aufgespart blieb. In lärmender Heiterkeit, in bis zur Ausgelassenheit gesteigertem Uebermut ging das synagogale .Jahr zu Ende, um am nächsten Bereschith-Sabbat mit feierlichen Ernste seinen neuen Rundlauf in unwandelbarem Gleichmaß wieder anzutreten.