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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 113

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Alt-Kempen
Date
1923-01-01
Page
Seite 113 (sequence 33)
Language
German
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IRI
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denn der Rüsttag zum Versöhnungsfeste mit seinem Kaporoh-Schlagen die ersehnte, erheiternde Abwechslung. Sobald den Kindern das Huhn gereicht wurde, das als Sühnopfer geschlachtet werden sollte, erhellten. sich unwillkürlich die jugendlichen Gesichter. Das Tierchen wurde dreimal im Kreise um die Köpfe geschwenkt, das erregte schon an und für sich die kindliche Einbildungskraft, dazu kam dann der Vorgeschmack des gesottenen Huhnes, das am nächsten Tage von der kleinen Gesellschaft mit sichtlichem Behagen verzehrt werden durfte, solange sie noch vor dem dreizehnten Jahre stand. Um so ernster gestaltete sich der Rüsttag für alle Herangewachsenen. Hier galt es, sich in jedem Betrachte als wirklich bußfertig zu erweisen. Nach der tiefsinnigen Auffassung des Talmud ist der Versöhnungs- Tag nur angeordnet zur Vergebung der Sünden gegen Gott und sein Gebot. Die Vergehungen der Menschen gegeneinander können jedoch nur durch gegenseitiges herzliches Entgegenkommen, durch aufrichtige Reue getilgt werden. Da wurde denn auch manch verstocktes Herz erweicht, und so manche Feindschaft wurde ausgeglichen an solch einem Erew Jom Kippur. Am Nachmittag legte man in Gegenwart dreier Bekannter, die gewissermaßen einen Gerichtshof vorstellten, sein Sündenbekenntnis ab und ließ sich hier in gebückter Stellung 49 Streiche auf den Rücken schlagen. Auf diese Weise gereinigt, von peinigenden Gewissensbissen befreit, setzte man sich in einer gewissen freudigen seelischen Erregtheit zur Schlußmahlzeit vor dem hochheiligen Fasttag zu Tisch. Das Mahl bestand aus einer schmackhaften Hühnersuppe, aus gesottenem Huhn, zu dem eine Scheibe Koletsch gereicht wurde." Der Koletsch, ein rundes Weizenbrot, sollte an das kreisende Rad des Todes gemahnen. Das Wort stammt aus dem Polnischen. Kolo heißt zu deutsch Rad. In gehobener, feierlich-ernster Stimmung, ausgesöhnt mit s Jahrbuch 1923 113

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