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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 107

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Alt-Kempen
Date
1923-01-01
Page
Seite 107 (sequence 27)
Language
German
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IRI
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Recht, unfern Herrgott mit so lauter Stimme anzurufen, als es uns unsere innere Stimme anbefiehlt! War nun aber gar die göttliche Gnade so groß, daß als erste Leibesfrucht der Mutter ein Knäblein ans Licht trat, dann folgte am dreißigsten Tage nach der Geburt der Pidjon haben, die symbolische Ablösung des Erstgeborenen und auch hier schloß sich an bie'‘ religiöse Weihe ein festliches Mahl. Nahm die ganze Gemeinde an den freudigen Ereignissen in jeder Familie lebhaften Anteil, so regte sich bei gegensätzlichen Anlässen das solidarische Empfinden noch unvergleichlich stärker. In Krankheitsfällen erschienen die Mitglieder der „heiligen Brüderschaft" der Chewrah Kadischa an der Leidensstätte und walteten ihres Amtes mit jener Hingebung, die nur aus dem unlöslichen Bündnis zwischen dem' religiösen Gebot und der natürlichen Menschenliebe emporsprießt. In der rührendsten Weise offenbarte sich jedoch diese Opferwilligkeit 'beim Hinscheiden eines Gemeindemitgliedes oder eines seiner Angehörigen. Die Totenwacht, die Wartung der Leiche, die Veranstaltung der Beerdigung, all diese traurigen Pflichten wurden durch die Chewra übernommen. Die Leiche wurde von Gemeindemitgliedern nach dem ziemlich weit von der Stadt entfernt gelegenen Friedhof, dem „Hause der Ewigkeit", beth olom getragen; wobei sich die Träger in gewissen 'Abständen ablösten. Wollten doch so viele als nur irgend möglich dieses Gebot, diese mizwah, erfüllen. Frauen gaben der Leiche das Geleit nicht. Auf dem Friedhose wurden die Trauerzeremonien auf das Gewissenhafteste beobachtet; die uralt geheiligten Gebete gesprochen. Leichenreden wurden indessen nicht gehalten. Hatte jedoch die Gemeinde den Tod eines durch Gelehrsamkeit, durch Frömmigkeit, durch Wirksamkeit im öffentlichen Dienste ausgezeichneten Mitgliedes zu beklagen, so wurde wohl eine Feier in der Synagoge

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