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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 106

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Alt-Kempen
Date
1923-01-01
Page
Seite 106 (sequence 26)
Language
German
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IRI
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ja einen sozialen Charakter. Sie setzten die Tätigkeit der wohltätigen Vereine, der „Chewrah", in Bewegung. Besonders traten die Frauen in die ihnen durch ihre natürliche Bestimmung, wie durch geheiligtes Herkommen gewiesenen Rechte. Die Wartung der jungen Mutter, der „Kimpeturen" — wer erkennt wohl in dieser Verunstaltung gleich auf den ersten Blick die gute, anheimelnde „Kindbetterin"? — die Pflege des Neugeborenen blieb neben der Hebamme dem freiwilligen Liebesdienste erfahrener Frauen anvertraut. Man versorgte die Wöchnerin mit kräftigenden Suppen, mit allerhand Erfrischungen. Leibliche Not blieb von dem Wochenbette jeder Mutter, wie von der Wiege jedes Säuglings entfernt. Daß aber auch keine unholden Mächte Eingang in die Wochenstube fänden, dafür sorgten gewisse kabbalistische Zettel und Beschwörungszeichen zu Häupten der Wöchnerin und über der Eingangstür zur Wochenstube. Kurz und gut: sie.wav in jedem Betracht wohl umfriedet, sodaß eine stillfromme Heiterkeit und Ruhe über den geheiligten Raum sich verbreitete. War das neugeborene Wesen männlichen Geschlechtes, dann stellten sich noch vor dem Berith milah die kleinen Vorfreuden des „Sucherl mit seinen Wunschsprüchen für Mutter und Kind ein, die durch dargebotene Süßigkeiten, Sucherküchel, und sonderbarer Weise auch durch hartgesottene Erbsen vergolten wurden. Am achten Tage, nach der vollzogenen Beschneidung wurde das Festmahl, die „Szude" abgehalten. Kein Gelage, wohl aber ein Weihemahl, bei dem man den schmackhaften Erzeugnissen einer guten jüdischen Küche alle ihnen gebührenden Ehren erwies, ohne jedoch des Spenders all der guten Gaben zu vergessen. Denn vor Beginn des Mahles und am Ende wurde Gott der Herr mit lauter Stimme gepriesen, mit sehr lauter sogar. Wie sich das auch nur gebührt und geziemt! Haben wir Juden doch ein angestammtes 106

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