Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Alt-Kempen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 25)
- Language
- German
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vielmehr auf mehrere Tage. Amnlonäsmsm" war großer Empfang beim jungen Paare, den reichlich übriggebliebenen Resten vom Hochzeitsmahle wurden alle gebührenden Ehren erwiesen. Die Eltern der Neuvermählten luden die Verwandten, die zuweilen von weiter Ferne aus dem „Königreich", nämlich aus Kongreßpolen hergekommen, die Freunde aus der Gemeinde zu Schmausereien, und ehe man sich's versah, war solch eine Hochzeitswoche herum, und der liebe heilige SchabLes mit dem „Schulführen" der Neuvermählten schloß dann endgiltig die Reihe der Festlichkeiten ab. Der junge bal-ha-bajith, der Hausherr wurde zur Tora aufgerufen und zwar zum Maphtir. Das gestaltete sich zuweilen zu einer Art von moralischem Spießrutenlaufen. Man passte ihm nämlich scharf auf den Dienst bei der Verlesung des betreffenden Propheten- Abschnittes. An der Betonung der einzelnen Worte, an der Vortragsweise ließ sich der Grad des Verständnisses des zumeist recht knifflicheN Textes mit einer gewissen Sicherheit erschließen. Da entfloh dann zuweilen dem Gehege der Zähne manches Zuhörers das geflügelte Wort: „heißt e Amhorez!" (Ein ungebildeter Mensch.) So lieferten denn das lärmende Hochzeitsfest und seine Nachfeiern einen Gesprächsstoff, der reichlich für eine Woche und darüber zugemessen war. Doch nicht bloß die Hochzeit, jedes Familienereignis regte zur Anteilnahme der ganzen Gemeinde an. War Loch so eine altjüdische Gemeinde einer Familie gleichzustellen. Ein gemeinsames, innerliches Band umschloß sie, ein unsichtbarer Eruw sozusagen hielt sie zusammen, iro| heftigster Reibungen, wie solche ja auch im allernächsten Verwandtenkreise bekanntlich nicht zu den Seltenheiten gehören. „Geburt und Grab" bildeten leine, lediglich die Betroffenen angehenden Ereignisse. Sie hatten zugleich einen ausgesprochen gesellschaftlichen,