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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 104

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Alt-Kempen
Date
1923-01-01
Page
Seite 104 (sequence 24)
Language
German
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IRI
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hinausgerufenes „Schah" dem Geplauder bei Tische energisch Ruhe. Bei diesem Geschenke-Ausrufen feierte der „Marschalek" durch die hierbei entfaltete Vortragskunst seine höchsten Triumphe. Durch die mannigfachen, sein abgestuften Betonungen kennzeichnete er nämlich die einzelnen Gaben und deren Geber und löste auf diese Weise förmliche Heiterkeitsausbrüche aus, sodaß die allgemeine Heiterkeit zuweilen zu bedrohlichen Höhen hinanstieg. Jeder bekam dabei sein „Chelek" (Teil) ab; noch vor dem „Fladen",, heißt es alsdann unter den Hochzeitsgästen. Dieser berühmte Kempener Fladen, eine uberfette und übersüßte Fruchtspeise krönte sozusagen das üppige Hochzeitsmahl. Jeder der Gäste hatte aber außerdem einen durch das Herkommen geheiligten Anspruch auf ein tüchtiges Stück (Chelek) zum Nachhausenehmen. Auch dabei fehlte es keineswegs an wortreichen Auseinandersetzungen über die den Einzelnen zugewiesenen Portionen. Der Ehrenpunkt spielte hier stark mit hinein. Es kam auch wohl vor, daß die Gabe als unwürdig zurückgewiesen wurde. Es-fehlte, wie man sieht, bei diesen Hochzeitsfesten nicht an aufregenden Momenten, die zuweilen einen gefährlichen Charakter anzunehmen drohten. Die hochgehenden Wogen glätteten sich indessen rasch, sobald der Vorbeter sich anschickte, den „Olom" zum „Benschen" auszufordern. Bei diesem musikalischen Nachtisch herrschte allgemeine, ungebundene Fröhlichkeit. Die Tischordnung löste sich allmählich auf. Die Klesmorim stimmten ihre Streichinstrumente, eine feierlich-gemessene Weise erklang alsdann, und der Ehrentanz, eine Art Polonäse, setzte ein. Rundtänze waren damals unter Erwachsenen noch verpönt. Die Mazurkas, Polkas, Krakowiaks wurden lediglich den Kindern und-der halbslüggen Jugend überlassen. Mit dem Hochzeitstage selbst waren die Vermählungssestlichkeiten jedoch noch lange nicht beendet. Die Nachfeiern erstreckten sich

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