Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Alt-Kempen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Ausschließlich während der sieben zwischen den genannten beiden Festen fallenden Wochen Hochzeiten gefeiert werden. Solch eine Alt-Kempner Hochzeit war dann auch ein Festtag für die ganze Gemeinde. Die Trauung fand in den ersten Nachmittagsstunden statt, das geschah mit Rücksicht auf das Brautpaar, das sich -an diesem feierlich-ernsten Tage jeder Speise bis zur Trauung enthielt. Der Trauungsakt selber ging in aller Oeffentlichkeit vor sich. Der Trauhimmel, die Chuppe, war „hinter der Schul" ausgestellt und wurde von den jungen Angehörigen des Brautpaares an den vier Stangen gehalten. In prächtigem Aufzuge, die Spielleute voran, wurden Braut und Bräutigam, -getrennt, von ihren Wohnungen aus durch die Stadt bis „hinter die Schul" geleitet. Die Hochzeitsgäste trugen buntgefärbte Wachskerzen, die Kinder hatten meistens ebenso buntgefärbte wächserne Gesiechte in Len Händen. Solch eine Hochzeitsprozession nahm sich -gar malerisch aus. Der Bräutigam in seinem weißen Kittel unter dem Ueberrock schritt ernst, gesenkten Blickes zwischen Vater und Schwiegervater oder sonstigen nächsten Anverwandten der Trauungsstätte zu, während die Braut und die „Weibsleute" in der. Vorhalle der „Schul" die Zeremonie des „Bedeckens" mit dem Schleier vollendeten. Hierauf wurde die iiefverschleierte Braut unter den Klängen des „Chuppe» Marsches", der kein andrer als der berühmte Marsch der Druiden aus Bellini's Oper „Norma" war, dem Bräutigam zugeführt, der bereits unter dem Trauhimmel seiner Erkorenen oder Bestimmten entgegenharrte. Als sich dann im Laufe der Entwickelung auch in Alt - Kempen allerhand Neuerungen bemerkbar machten, soll auch der Mendelssohn'sche Hochzeitsmarsch aus dem „Sommernachtstraum" bei den Trauungen erklungen sein.. Doch weiß ich von dieser durchgreifenden Neuerung nur vom Hörensagen. Ich selbst ' 101