Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Alt-Kempen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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verschiedenen Symbolen, seinen Hinweisungen auf eine beglückende Zukunft Israels einen starken Eindruck aus die empfänglichen jugendlichen Gemüter. Solch ein Seder-Abend, an dem der Hausherr in seinem Weißen Kittel, die gleichfarbige mit einer Silbertress.e geschmückte Kappe auf dem Kopfe, wie ein echtes Familienoberhaupt seines Amtes als Vortragender der Hagadah waltete, hatte in der Tat das, was man in höchstem Wortverstande „Stil" zu nennen berechtigt ist. Je nach Laune und nach Verständnis für die in der Hagadah erwähnten Vorkommnisse und für die daran geknüpften Betrachtungen dehnte sich der Seder- Abend bis tief in die Nacht hinein. Eine Familie war in Kempen dafür bekannt, daß der Seder bei ihr bis hart an die Zeit des Morgengebetes sich hinzuziehen pflegte. In den Zwischenfeiertagen blieben die Kaufläden zwar geöffnet, allein von einem eigentlichen Handelsverkehr war kaum etwas zu spüren. Auch an dem üblichen Markttage nicht. Dafür war das „gesellschaftliche" Leben um so lebhafter. Die Familien besuchten einander. Es gab allerhand österliche Leckerbissen. Man unterhielt sich, auch in denjenigen Familien^ in denen es sonst nicht üblich war, mit Kartenspiel, hie und da auch wohl mit dem Schachbrett, mit „Schoch". Das eigentliche „chol ha-moed“»@retgm& bildeten indessen die Verlobungen. Man kann es sich unschwer vorstellen, wie solch ein ergiebiger Gesprächsstoff nach allen Seiten hin durchgepflügt wurde. An Europens übertünchte Höflichkeit hielt man sich nicht im Mindesten gebunden. Man packte vielmehr gründlichst aus; man durchstöberte alle Winkel, und das Geheimste wurde dann offenbar. Die Hochzeit wurde gewöhnlich auf den dreiunddreißigten Tag zwischen Pessach und Schawuoth (Pfingsten) festgesetzt. An diesem Tage, dem 1a§-bsomsr (;£>), durften nämlich 100 mmm